Fünf Jahre Forschung an Bauchabszessen am Kantonsspital
Das Kantonsspital St.Gallen und die regionale Forschungsplattform HOCH Health Ostschweiz erhalten eine Förderung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) für eine klinische Untersuchung zur Behandlung von Bauchabszessen. Die sogenannte DELIVER-Studie wird während fünf Jahren mit insgesamt 2,7 Millionen Franken unterstützt. Trägerin der Studie sind die Klinik für Infektiologie, Infektionsprävention und Reisemedizin am Kantonsspital St.Gallen unter der Leitung von PD Dr. Baharak Babouee Flury und Prof. Dr. Philipp Kohler.
Die DELIVER-Studie ist eine investigator-initiated clinical trial (IICT) – eine unabhängige, nicht von der Pharmaindustrie gesteuerte Untersuchung. Solche Projekte erhalten nur einen kleinen Teil der eingereichten Mittelgesuche: Gemäss SNF werden jährlich nur rund zehn Prozent aller Anträge unterstützt. Die Bewilligung unterstreicht die wissenschaftliche Qualität des Projekts am universitären Lehr- und Forschungsspital.
Was die Studie untersucht und welche Folgen das haben könnte
Ziel der DELIVER-Studie ist es zu prüfen, ob das Antibiotikum Delafloxacin bei Patientinnen und Patienten mit Bauchabszessen sicher und wirksam angewendet werden kann. Im Mittelpunkt steht insbesondere die Frage, ob die Dauer der intravenösen Antibiotikatherapie verkürzt werden kann. Eine frühere Umstellung auf oralen Therapie oder eine generell kürzere IV-Behandlungszeit könnte:
- die Aufenthaltsdauer im Spital reduzieren,
- das Risiko von Komplikationen durch intravenöse Zugänge verringern,
- Ressourcen im stationären Bereich entlasten, was für Spitäler mit hoher Auslastung relevant ist.
Konkrete Behandlungsempfehlungen oder Änderungen der Praxis lassen sich jedoch erst nach Abschluss der Studie und Auswertung der Daten ableiten. Bis dahin bleibt die Studie Teil der laufenden klinischen Forschung.
Multizentrische Zusammenarbeit in der Schweiz
Die Studie wird multizentrisch durchgeführt und bezieht laut Projektbeschreibung sechs Schweizer Zentren ein. Am Kantonsspital St.Gallen arbeiten Infektiologie, die Clinical Trials Unit, die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie die Hepatologie eng zusammen. Eine solche Vernetzung ist wichtig, weil Bauchabszesse oft interdisziplinäre Betreuung erfordern – von chirurgischen Eingriffen bis zur antibiotischen Behandlung und Nachsorge.
| Parameter | Angabe |
|---|---|
| Förderbetrag | 2,7 Millionen Franken |
| Förderdauer | 5 Jahre |
| Zuständige Klinik | Klinik für Infektiologie, Infektionsprävention und Reisemedizin |
| Studienname | DELIVER-Studie |
Für Patientinnen und Patienten im Kanton bedeutet dies, dass in den kommenden Jahren am Kantonsspital St.Gallen aktiv klinisch geforscht wird. Wer an Studien teilnehmen will, erhält üblicherweise ausführliche Informationen und eine Aufklärung über Risiken und mögliche Vorteile, bevor eine Einwilligung erfolgt. Solche Studien tragen langfristig zur Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung bei, auch wenn einzelne Ergebnisse nicht vorab garantiert werden können.
Die SNF-Förderung stärkt zudem die Stellung des Kantonsspitals St.Gallen als universitär verankertes Lehr- und Forschungsspital in der Ostschweiz und fördert die Zusammenarbeit zwischen Fachdisziplinen und Zentren in der Schweiz.