Externe Prüfung soll Klarheit über Abläufe und Abrechnungen bringen
Die Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel haben den Verwaltungsrat beauftragt, eine unabhängige externe Untersuchung der ADHS-Abklärungen bei Erwachsenen einzuleiten. Die Massnahme reagiert auf einen Bericht der «NZZ am Sonntag», wonach Diagnosen in erheblichem Umfang an Praktikantinnen und Praktikanten delegiert worden sein sollen.
Die Untersuchungsmandate umfassen laut Mitteilung die Überprüfung der Arbeitsabläufe in der Erwachsenenpsychiatrie an der Kornhausgasse, die Qualität der Diagnosen sowie die Abrechnungspraxis. Die Geschäftsleitung unterstützt dieses Vorgehen, heisst es in der Stellungnahme der Klinik.
„Für verunsicherte Patientinnen und Patienten sei eine direkte Anlaufstelle eingerichtet worden.“
Gleichzeitig teilten die UPK mit, dass Studierende in ihrer Ausbildung in standardisierte Arbeitsschritte einbezogen würden und grundsätzlich unter fachlicher Aufsicht stünden. Nach Bekanntwerden des Medienberichts sei die Supervision bereits intensiviert worden. Zudem wurden interne Fallbesprechungen neu organisiert und Vorbereitungen für einen möglichen Personalausbau getroffen.
- Untersuchungsumfang: Abläufe, Diagnosequalität, Abrechnung
- Räumlicher Bezug: Erwachsenenpsychiatrie, Kornhausgasse
- Sofortmassnahmen: Intensivierung der Supervision, Neuorganisation von Fallbesprechungen, Einrichtung einer Anlaufstelle
Die Krise betrifft nicht nur die Reputation der Klinik, sondern hat praktische Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten: Unsicherheit über die Verlässlichkeit gestellter Diagnosen kann zu Misstrauen gegenüber laufenden Behandlungen, zu Zweifeln an Therapieempfehlungen und zu Fragen bei Versicherungen und Abrechnungen führen. Die eingerichtete Kontaktstelle soll Betroffenen Wege aufzeigen und Auskunft über den Stand bereits abgeschlossener Abklärungen geben.
Die UPK betonen, dass Studierende im Ausbildungsrahmen eingebunden seien. Der Bericht der «NZZ am Sonntag» schildert jedoch Fälle, in denen Praktikantinnen und Praktikanten eigenständig Abklärungen vorgenommen und Diagnosevorschläge erstellt haben sollen, die demnach von einer leitenden Psychologin verantwortet worden seien, ohne dass diese die Betroffenen persönlich gesehen habe. Diese Darstellung ist Auslöser für die nun gestartete Überprüfung.
| Aspekt | Beschriebene Massnahme |
|---|---|
| Abläufe | Externe Untersuchung |
| Supervision | Bisher: standardisierte Aufsicht — Neu: intensivierte Supervision |
| Kommunikation | Anlaufstelle für verunsicherte Patientinnen und Patienten |
Wie lange die externe Untersuchung dauern wird und welche Stelle sie durchführt, wurde in der Mitteilung nicht genannt. Ebenso steht noch aus, welche konkreten organisatorischen Änderungen sich langfristig ergeben — etwa in Bezug auf Personalaufbau oder die verbindlichen Schritte für ADHS-Abklärungen. Betroffene und Interessierte müssen daher vorerst die von den UPK angebotenen Kanäle nutzen, um Informationen zu erhalten.
Die Angelegenheit zeigt, wie empfindlich die Balance zwischen Ausbildung von Nachwuchskräften und der Verantwortung für diagnostische Entscheidungen in einem public-health-relevanten Bereich ist. Für Basel bedeutet dies: Fragen zur Verlässlichkeit psychiatrischer Diagnosen stehen nun im Fokus einer offiziellen Klärung, die für die Versorgungslage und das Vertrauen in eine führende Institution des Kantons richtungsweisend sein kann.