Verhandlungen stecken fest — Brückenbauer gesucht
Die Suche nach einer Einigung im Kollektivvertrag (KV) für das Hotel- und Gastgewerbe in Österreich geht ins Stocken. Seit dem Abbruch der Gespräche zwischen der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und der Gewerkschaft vida Ende Juni ist kein neuer Vertrag in Sicht. Betroffen sind nach Branchenangaben bis zu 250'000 Beschäftigte, darunter zahlreiche Lehrlinge und niedriger bezahlte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner suchte das Gespräch mit der Gewerkschaft; laut vida verlief das Treffen „äußerst sachlich und konstruktiv“. Die Vorsitzende des vida-Fachbereichs Tourismus und Verhandlungsleiterin für die Arbeitnehmerseite, Eva Eberhart, betonte, dass man übereinstimmte Probleme wie die hohe Personalfluktuation erkannt habe — konkrete Zusagen für einen neuen KV blieben aber aus.
„Es stellt sich die Frage, ob die Arbeitgeber dazu bewegt werden können, für die Kolleginnen und Kollegen in den armutsgefährdeten Lohngruppen sowie für die Lehrlinge die Reallohnkürzungen in ihrem letzten KV-Vorschlag wieder zurückzunehmen.“
Eberhart kritisiert, das Angebot der WKÖ hätte für viele Beschäftigte Reallohnverluste bedeutet; die WKÖ hatte zuvor erklärt, die Verhandlungen seien "ohne Einigung abgeschlossen" und das letzte Angebot könne freiwillig umgesetzt werden. Die Gewerkschaft übergab der Staatssekretärin zudem einen Fragenkatalog zur Situation und Zukunft des heimischen Tourismus und seiner Beschäftigten.
Was das für Freizeit und Tourismus bedeutet
- Unklare Lohnverhältnisse machen Personalplanung schwierig und können die Personalsituation in Spitzenzeiten verschärfen.
- Für Gäste können Unsicherheiten bei Öffnungszeiten oder Servicequalität entstehen, falls Betriebe wegen Arbeitskosten anpassen müssen.
- Lehrlinge und Beschäftigte in niedrigen Lohngruppen bleiben besonders verletzlich, wenn Reallohnverluste nicht ausgeglichen werden.
Die Gewerkschaft gibt zu verstehen, dass sie an einer Lösung interessiert ist, zugleich aber skeptisch bleibt, ob ein neues Angebot der Arbeitgeberseite die geforderten Verbesserungen bringen wird. Eberhart appellierte an die Staatssekretärin, als Vermittlerin zu wirken:
"Wir zählen weiterhin auf den Brückenbau der Staatssekretärin, denn die Beschäftigten dürfen nicht untergehen."
Kurzüberblick der Positionen
| Akteur | Standpunkt |
|---|---|
| vida (Gewerkschaft) | Fordert Abgeltung rollierender Inflation, bessere Arbeitsbedingungen, keine Reallohnkürzungen |
| WKÖ (Arbeitgeber) | Hat Verhandlungen abgebrochen; letztes Angebot bringt laut WKÖ Abschluss, Umsetzung freiwillig |
| Staatssekretärin Zehetner | Führt Gespräche, sollte als Vermittlerin Brücken bauen |
Für Gäste und Beschäftigte bleibt die Lage unsicher. Solange keine neue Einigung vorliegt, gilt der ältere Kollektivvertrag aus dem Jahr 2025 weiter, sofern die Betriebe das neue Angebot nicht freiwillig umsetzen. Die nächsten Schritte hängen davon ab, ob WKÖ und Arbeitgeberseite zu einem verbesserten Angebot bereit sind und welche Rolle die Staatssekretärin als Vermittlerin spielen kann.