Milliarden bewilligt, Baustellen bleiben
Fünf Jahre nach den zerstörerischen Hochwassern im Sommer 2021 hat das Land Nordrhein‑Westfalen insgesamt rund 4,7 Milliarden Euro für den Wiederaufbau von Kommunen, Unternehmen und Privathaushalten bewilligt. Die Frist für Anträge der Bürgerinnen und Bürger endete am 30. Juni, bis dahin seien mehr als 29'000 Anträge von Privatpersonen eingegangen, teilte NRW‑Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) mit. Von diesen Anträgen seien knapp 900 Millionen Euro genehmigt worden, und etwa 80 Prozent der privaten Gebäudesanierungen seien bereits abgeschlossen.
Kommunaler Wiederaufbau – Geld da, Umsetzung schwierig
Für die kommunale Infrastruktur wurden nach Angaben der Ministerin über 3 Milliarden Euro beantragt und bewilligt. Trotz der hohen Fördersummen ist der Aufbau vielerorts noch in Arbeit; bei nahezu der Hälfte der ursprünglich geschädigten Kommunen wird laut Scharrenbach erst im kommenden Jahr mit einer Fertigstellung zu rechnen sein. Die Gründe sind nicht nur technischer, sondern auch personeller Natur.
- Private Förderbewilligungen: rund 900 Millionen Euro (mehr als 29'000 Anträge)
- Bewilligte Mittel für kommunale Infrastruktur: über 3 Milliarden Euro
- Abschluss privater Gebäudesanierungen: etwa 80 Prozent
„Der Wiederaufbau bis heute war und ist ein gemeinsamer Kraftakt“, sagte Scharrenbach. „Tausende Helferinnen und Helfer haben angepackt, Menschen haben einander getragen und Hoffnung gegeben.“
Die Reparatur kommunaler Systeme ist in vielen Fällen besonders komplex, weil künftige Entwässerungslösungen von Anfang an mitgedacht werden müssen. Teilweise sind Abwassersysteme so schwer beschädigt, dass ganze Strassensysteme neu aufgebaut werden müssen. Solche Massnahmen beanspruchen oft weit mehr Zeit als ursprünglich veranschlagt.
Personalmangel verlängert Fristen
Ein weiteres Hemmnis: Fachkräfte sind knapp. Scharrenbach weist darauf hin, dass es schwierig sei, Ingenieurinnen und Ingenieure für kleinere Brückenbauwerke zu finden, weil zeitgleich viele grosse Brückenprojekte umgesetzt werden. Das führe zu zusätzlichen Verzögerungen in den Verfahren.
Als Beispiel nennt die Ministerin die Gemeinde Swisttal (Rhein‑Sieg‑Kreis). Dort rechnet man nicht damit, dass wichtige Wegeverbindungen vor Ende des Jahrzehnts fertiggestellt werden können. Ähnliche Situationen gebe es in besonders betroffenen Kommunen wie Hagen, Stolberg, Eschweiler, Altena oder im Kreis Euskirchen.
| Position | Betrag / Zahl |
|---|---|
| Gesamt bewilligt | 4,7 Milliarden Euro |
| Private Anträge | mehr als 29'000 |
| Private Bewilligungen | rund 900 Millionen Euro |
| Kommunale Fördermittel | über 3 Milliarden Euro |
Bei all den Zahlen bleibt die Bilanz nüchtern: Die Flutkatastrophe von Juli 2021 hat in NRW 49 Menschen das Leben gekostet und ganze Landstriche verwüstet. Finanzielle Mittel stehen in grossem Umfang zur Verfügung; die Herausforderung besteht nun darin, die Gelder effizient, dauerhaft resilient und in koordinierter Form in bauliche Massnahmen zu überführen. Ministerin Scharrenbach beschreibt den Fortschritt als «gemeinsamen Kraftakt» – ein Bild, das sowohl Engagement als auch die andauernden Schwierigkeiten zusammenfasst.