Die Pflicht, an Sitzungen des Zuger Kantonsrats teilzunehmen und an Abstimmungen mitzuwirken, ist im politischen Alltag eine zentrale Erwartung an gewählte Vertreterinnen und Vertreter. Eine aktuelle Auswertung der «Zuger Zeitung» macht jedoch deutlich, dass die Einhaltung dieser Pflicht im Kanton Zug sehr unterschiedlich gelebt wird.
Wer fehlt am meisten?
Betrachtet man die registrierten Sitzungshalbtage seit Beginn der laufenden Legislatur, liegt Raphael Wiser (SVP, Oberägeri) klar an der Spitze: Er war an 27 von 88 erfassten Sitzungshalbtagen abwesend. Auf den Plätzen folgen Peter Letter (FDP, Oberägeri) und Roger Wiederkehr (Mitte, Risch) mit jeweils 18 Absenzen.
“Kantonsratsmandat lasse sich nur schwer mit seiner Selbstständigkeit vereinbaren,”
Das ist die Begründung, die Raphael Wiser gegenüber der «Zuger Zeitung» für seine häufigen Abwesenheiten nennt. Er führt ein Grosshandelsunternehmen und betont, dass sich die beruflichen Anforderungen nur schwer mit den Verpflichtungen im Rat verbinden liessen.
Abstimmungen und vorzeitige Abgänge
Die Auswertung unterscheidet nicht nur vollständige Absenzen, sondern auch das Auslassen einzelner Abstimmungen sowie das vorzeitige Verlassen des Ratssaals. Dabei treten teils andere Namen an die Spitze:
- Bei einzelnen, während einer Sitzung ausgelassenen Abstimmungen führt Oliver Wandfluh (SVP, Baar) die Rangliste mit 120 versäumten Stimmen, obwohl er an den betreffenden Sitzungen anwesend war.
- Auch beim vorzeitigen Verlassen von Sitzungen liegt Oliver Wandfluh vorne: Er verpasste so 44 Abstimmungen. Auf Rang zwei steht Jean Luc Mösch (Mitte, Cham), der seine frühen Abgänge mit geschäftlichen Verpflichtungen nach Sitzungsende erklärt.
Die Fleißigsten im Rat
Am anderen Ende der Skala zeigen einige Kantonsräte praktisch lückenlose Präsenz: Adrian Rogger (SVP, Baar) verpasste laut Auswertung lediglich eine einzige Abstimmung und gab seine Stimme bei den übrigen 724 Abstimmungen ab. Auch andere Mitglieder weisen nur sehr wenige Absenzen auf.
Konkrete Zahlen im Überblick
| Rang | Name (Partei, Wohnort) | Absenzen / versäumte Halbtage |
|---|---|---|
| 1 | Raphael Wiser (SVP, Oberägeri) | 27 |
| 2 | Peter Letter (FDP, Oberägeri) | 18 |
| 3 | Roger Wiederkehr (Mitte, Risch) | 18 |
| — | Oliver Wandfluh (SVP, Baar) | Versäumte Abstimmungen: 120; vorzeitige Abgänge: 44 |
| — | Adrian Rogger (SVP, Baar) | Versäumte Abstimmungen: 1 |
Was bedeutet das für Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons?
Für die Bevölkerung hat regelmässige Anwesenheit im Kantonsrat mehrere Bedeutungsebenen: Sie betrifft die Vertretung von Wählerinteressen, die Verfügbarkeit der Mandatsträgerinnen und -träger für Debatten und Entscheide sowie die Transparenz und Glaubwürdigkeit des Parlaments. Wenn Mandatsträger aus beruflichen Gründen mehrfach abwesend sind oder während Sitzungen Abstimmungen auslassen, kann dies die Durchsetzung lokaler Anliegen erschweren und die Verantwortung auf weniger anwesende Kolleginnen und Kollegen verlagern.
Gleichzeitig zeigt die Auswertung auch, dass viele Kantonsräte ihrer Pflicht nachkommen und an nahezu allen Abstimmungen teilnehmen. Für Wählerinnen und Wähler liefert die Analyse einen Anhaltspunkt, wie engagiert ihre Vertreterinnen und Vertreter im Parlament sind — ein Kriterium, das bei kommenden Wahlen und in der politischen Debatte eine Rolle spielen dürfte.
Die Zahlen stammen aus der Auswertung der «Zuger Zeitung». Sie geben einen datenbasierten Einblick in Anwesenheitsmuster, ersetzen aber nicht die Betrachtung der inhaltlichen Arbeit einzelner Räte, ihrer parlamentarischen Vorstösse oder ihres Engagements in Kommissionen.