Hitze in Innenräumen: Forschung und Praxis ergänzen sich
Die jüngsten Hitzewellen in der Schweiz haben deutlich gemacht, dass Gebäude und Infrastruktur nicht in allen Fällen auf extreme Sommerhitze ausgelegt sind. Am Departement Gebäudetechnik der Hochschule Luzern (HSLU) wird derzeit an einem gekühlten Bett gearbeitet, das besonders in Tropennächten für erholsamen Schlaf sorgen soll. Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie Forschung punktuelle Lösungen für direkte Gesundheitsprobleme entwickelt.
Expertinnen und Experten warnen vor vorschneller Technikgläubigkeit
Gleichzeitig betonen Fachleute, dass Klimaanlagen nicht die erste oder alleinige Antwort sein sollten. Christian Meier von der ZHAW sagt, eine Klimaanlage müsse die letzte Option sein, weil zahlreich installierte Klimageräte den Stadtraum zusätzlich erwärmen können. Dieser Hinweis ist auch für Luzern relevant: Eine Zunahme von Aussenanlagen könnte den urbanen Wärmeinseleffekt verschärfen.
«Eine Klimaanlage sollte die letzte Option sein» — Christian Meier, ZHAW
Präventive Massnahmen mit hoher Wirkung
Urs‑Peter Menti, Leiter des Instituts für Gebäudetechnik und Energie an der HSLU, führt konkrete und praxistaugliche Prioritäten auf. Entscheidend sei, Wärmeeinträge zu vermeiden und die kühlenden Potenziale bereits beim Planen und Betreiben von Gebäuden zu nutzen.
- Aussenliegender Sonnenschutz reduziert direkte Sonneneinstrahlung und Innenaufheizung.
- Gute Gebäudehülle (Isolierung, dichte Fenster) vermindert Wärmeeintrag.
- Ausreichende Speichermasse (Bauteile, die Wärme aufnehmen) glättet Temperaturspitzen.
- Nachtauskühlung nutzt kühle Nachtluft zur Temperatursenkung.
- Begrünung und Verschattung im Aussenraum kühlt Fassaden und Aufenthaltsräume.
Technische Ergänzungen — wann sie sinnvoll sind
Reichen passive und gebäudetechnische Massnahmen nicht aus, nennt Menti energieeffiziente ergänzende Systeme: «Free Cooling» über Erdsonden oder Grundwasser, reversible Wärmepumpen sowie thermoaktive Bauteile oder Kühldecken. Solche Technologien eignen sich vor allem dort, wo nachhaltige Kühlung über lange Zeiträume nötig ist und wo der Einsatz von konventionellen Klimaanlagen vermieden werden soll.
| Massnahme | Wirkung | Einsatzbereich |
|---|---|---|
| Aussenliegender Sonnenschutz | Reduziert Strahlungswärme | Privat- und Geschäftsgebäude |
| Nachtauskühlung | Kühlt Gebäude ohne Energieverbrauch | Flachland und mit Fenstern zur Nachtlüftung |
| Free Cooling (Erdsonden/Grundwasser) | Effiziente, technische Kühlung | Grössere Neubauten, öffentliche Gebäude |
Konkrete Auswirkungen für Luzernerinnen und Luzerner
Für Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons bedeutet dies: Bei Renovationen und Neubauten lohnt es sich, von Anfang an in Dämmung, Sonnenschutz und Fassadenbegrünung zu investieren. Kurzfristig helfen einfache Massnahmen wie gezieltes Lüften in den kühlen Nachtstunden, Verdunkelung tagsüber und pflanzliche Verschattung vor Wohnungen. Langfristig sind städtebauliche Entscheidungen — etwa mehr Grünflächen statt zusätzlicher Klimaanlagen — entscheidend, um die Folgen der Klimaerwärmung abzumildern.
Die Forschung an speziell gekühlten Betten kann vulnerable Gruppen — ältere Menschen, Pflegebedürftige oder Personen mit gesundheitlichen Risiken — unterstützen. Sie ersetzt aber nicht die umfassenderen, präventiven Massnahmen auf Gebäude‑ und Quartiersebene, die sowohl Energie sparen als auch die Belastung des städtischen Klimas reduzieren.