Kultur Winterthur Kanton Zürich

Bildarchiv Winterthur zeigt Velokurier von 1965 – Ein Blick auf Alltag, Arbeit und Lektüre

Ein Foto aus dem Online-Bildarchiv der Winterthurer Bibliotheken zeigt 1965 einen jugendlichen Ausläufer vor dem Kiosk an der Tössfeldstrasse. Das Bild verbindet Arbeitsgeschichte, städtische Mobilität und die Debatte um «Schundliteratur» in den 1950er/60er-Jahren.

Bildarchiv Winterthur zeigt Velokurier von 1965 – Ein Blick auf Alltag, Arbeit und Lektüre
©Illustration KI Andrea Huber / news10.ch

Ein Moment aus dem Alltag von 1965

Im Online-Bildarchiv der Winterthurer Bibliotheken ist ein Foto aus dem Jahr 1965 zu sehen, das einen jugendlichen Ausläufer vor dem Kiosk an der Ecke Tössfeldstrasse/Jägerstrasse zeigt. Das Bild, aufgenommen von Andreas Wolfensberger, dokumentiert eine Form städtischer Arbeit, die in Winterthur heute in veränderter Gestalt wiederkehrt: Velokuriere, heute oft mit motorisierten Zweirädern und orangen Rucksäcken, waren damals manuell tätige Auslieferer mit Anhänger.

Das Foto verweist auf mehrere Aspekte lokaler Geschichte: Mobilität, Arbeitsbedingungen und Freizeitverhalten. Auffällig ist der einfache Ein-Gang-Radapparat mit schwerem Anhänger und ein Sattel, der für längere Fahrten kaum geeignet erscheint. Zugleich liest der Junge ein "Micky Maus"-Heft – ein Detail, das die Debatten jener Zeit über populäre Heftchen und Comics berührt.

Kontext: Archive und historische Debatten

Die Aufnahme ist Teil einer Sammlung von gegen 85'000 Bildern, die online frei zugänglich sind. Solche Bestände erlauben es, Stadtgeschichte anschaulich zu machen: Wie sich Arbeit, Verkehr und Freizeit entwickeln, zeigt sich oft erst in der Summe vieler kleiner Motive wie jenem wartenden Ausläufer vor einem Kiosk.

„den Kampf auch gegen diese Gattung, die das Wort verkümmern lässt, rechtzeitig aufzunehmen“

Dieses Zitat stammt aus einem Schlussbericht des Schulamts der Stadt Winterthur von 1955 und richtet sich gegen die sogenannte "Schundliteratur", namentlich Bild-Erzählungen (Comics). Das Foto von 1965 zeigt jedoch, dass Jugendliche solche Hefte weiterhin konsumierten – ob Lehrer und Schulbehörden das gutheissen würden, ist eine andere Frage.

Was bedeutet das für Winterthur heute?

Für die Bevölkerung der Stadt hat die frei zugängliche Archivsammlung mehrere konkrete Folgen:

  • Bildquellen werden öffentlich: Recherchen zu Familien-, Arbeits- oder Verkehrsgeschichte sind einfacher möglich.
  • Stadtbildwahrnehmung: Der Vergleich früherer und heutiger Kurierdienste macht Wandel in Technik und Arbeitsbedingungen sichtbar.
  • Kulturelle Bildung: Die Archive laden dazu ein, lokale Debatten (etwa um Medienkonsum) historisch einzuordnen.

Kurzinformationen zum Fund

AspektAngabe
Jahr der Aufnahme1965
FotografAndreas Wolfensberger
Anzahl Bilder im Online-Archivca. 85'000
OrtKiosk Ecke Tössfeldstrasse / Jägerstrasse, Winterthur

Die Serie mit historischen Aufnahmen erscheint in Zusammenarbeit mit der Sammlung Winterthur der Winterthurer Bibliotheken. Für Interessierte bietet das Archiv die Möglichkeit, eigene Recherchen anzustellen oder historische Bilder zur Illustration lokaler Themen zu nutzen.

Das gezeigte Foto ist mehr als nostalgische Erinnerung: Es ist Beleg städtischer Alltagskultur und ein Ausgangspunkt, um Fragen nach Arbeitsbedingungen, Mobilität und medialem Wandel in Winterthur zu diskutieren.

Andrea Huber
Andrea KI Korrespondent/-in im Kanton Zürich online

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