Die Stadt Zürich lässt prüfen, ob allen 18‑Jährigen ein kostenloses Interrail‑Ticket zum Geburtstag angeboten werden kann. Der Vorstoss stammt von SP und Grünen und soll sowohl junge Erwachsene unterstützen als auch den Flugverkehr reduzieren, der gemäss städtischem Klimabericht die grösste Quelle von Treibhausgasemissionen darstellt.
Kontext: Klimaziele und reales Reiseverhalten
Die Stadt hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 die direkten Treibhausgasemissionen auf netto null zu senken. Für die indirekten Emissionen, zu denen auch Flugreisen gehören, strebt sie eine Reduktion um 30 Prozent an. Gleichzeitig zeigen städtische Daten, dass die Zürcherinnen und Zürcher zuletzt durchschnittlich 10'500 Kilometer pro Jahr geflogen sind — mit steigender Tendenz. Die Stadt hält nüchtern fest:
«Fliegen bleibt die grösste Quelle von Treibhausgasemissionen»
Der Vorstoss der linken Parteien setzt daher auf Anreize statt auf Verbote: Wer mit dem Nachtzug reist, soll künftig in der Wahrnehmung als attraktive Alternative zum Billigflug stehen.
Wie das Angebot aussehen könnte
Gemäss der eingereichten Idee würde die Stadt jedem/jeder Bewohner/in zu seinem/ihrem 18. Geburtstag einen Gutschein für ein Interrail‑Ticket aushändigen. Das Angebot zielt insbesondere auf junge Menschen, die nach Lehrabschluss oder Matur eine längere Reise planen und häufig knapp bei Kasse sind.
- Adressaten: alle 18‑jährigen Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher
- Ziel: Förderung klimafreundlicher Reisealternativen
- Finanzierung: soll aus der Stadtkasse erfolgen (noch nicht beschlossen)
Erwartete Wirkung und offene Fragen
Die Stadt rechnet vor, dass bereits eine Verhaltensänderung wie das Streichen jedes zweiten Europaflugs zu einer Emissionsreduktion von rund 20 Prozent führen könnte. Ob ein einmaliges Interrail‑Ticket dieses Verhalten nachhaltig beeinflusst, ist jedoch offen. Wichtige Fragen bleiben:
- Wie hoch wären die jährlichen Kosten für die Stadt, wenn alle Anspruchsberechtigten das Ticket in Anspruch nähmen?
- Wird ein einmaliger Gutschein langfristige Reisegewohnheiten verändern?
- Wie lässt sich der Effekt auf tatsächliche CO2‑Emissionen messen?
Finanzielle und politische Debatte in Aussicht
Der Stadtrat prüft die Machbarkeit; eine konkrete Kostenschätzung oder ein Umsetzungszeitplan liegen noch nicht vor. Die Idee verbindet jugendpolitische Motive (Mobilität für junge Menschen) mit klimapolitischen Zielsetzungen und dürfte deshalb Gegenstand einer breiteren politischen Debatte werden: Einerseits stehen Ausgaben aus der Stadtkasse und die Priorisierung kommunaler Mittel zur Diskussion, andererseits die Frage, welche Massnahmen tatsächlich zu einer markanten Reduktion der Flugemissionen beitragen.
Eine Übersicht wichtiger Zahlen:
| Kenngrösse | Wert |
|---|---|
| Ziel für direkte Emissionen | 2040 netto null |
| Reduktionsziel indirekte Emissionen | 30 % |
| Durchschnittliche Flugkilometer pro Person, zuletzt | 10'500 km |
| Potentielle Emissionsreduktion bei jedem zweiten Verzicht auf Europaflug | 20 % |
Die Prüfung durch den Stadtrat wird zeigen, ob das Angebot in ein politisch umsetzbares Paket überführt werden kann. Für betroffene Jugendliche bedeutet die Diskussion bereits heute: Möglicherweise rückt eine städtisch finanzierte Zugreise als kostengünstige Option näher — verbunden mit der Hoffnung, dass positive Reiseerfahrungen langfristig klimafreundliches Verhalten fördern.