Gesundheit

Einbeinstand als Früherkennung: Einfacher Balance-Test weist auf erhöhtes Sterberisiko hin

Der sogenannte Flamingo- oder Einbeinstandtest könnte mehr sein als Schulsport: Forscher fanden in einer Studie mit 1'702 Teilnehmenden im Alter 51–75 Jahren, dass wer keine 10 Sekunden auf einem Bein steht, ein fast doppelt so hohes Risiko für vorzeitigen Tod hat. Der Test reflektiert neuromuskuläre Fitness und könnte künftig routinemässige Gesundheitschecks ergänzen.

Einbeinstand als Früherkennung: Einfacher Balance-Test weist auf erhöhtes Sterberisiko hin
©Illustration KI Franziska Roth / news10.ch

Ein kurzer Balance-Test, wie er vielen noch aus dem Schulsport bekannt ist, hat in der Wissenschaft Aufmerksamkeit erlangt: Der sogenannte Flamingo-Test — man hebt ein Bein an und versucht, das Gleichgewicht zu halten — könnte Hinweise auf die allgemeine Gesundheit liefern, und zwar deutlich früher als manche andere körperliche Einschränkungen.

Was misst der Test?

Der Einbeinstand erfordert ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Gehirn, Innenohr, Augen, Nerven und Muskulatur. Diese neuromuskuläre Koordination verschlechtert sich mit dem Alter: Muskeln werden schwächer, Reaktionszeiten länger, Sinnesreize werden veränderter verarbeitet. Deshalb betrachten Forschende die Balancefähigkeit als einen Marker für die so genannte neuromuskuläre Fitness.

Die Studienergebnisse

Internationale Forschungsergebnisse haben den Einbeinstand in den Fokus gerückt. In einer Analyse mit 1'702 Teilnehmenden im Alter von 51 bis 75 Jahren zeigte sich: Wer nicht in der Lage war, 10 Sekunden auf einem Bein zu stehen, hatte in den folgenden Jahren ein deutlich erhöhtes Sterberisiko. Konkret beschreiben die Autorinnen und Autoren ein nahezu doppelt so hohes Risiko für einen vorzeitigen Tod, unabhängig von Faktoren wie Körpergewicht oder bekannten Vorerkrankungen.

Parameter Angabe
Studienpopulation 1'702 Personen, 51–75 Jahre
Schwelle im Test 10 Sekunden Einbeinstand
Ergebnis Nahezu doppelt so hohes Risiko für vorzeitigen Tod

Was bedeutet das für die Praxis?

  • Der Flamingo-Test ist sehr einfach, kostet nichts und ist rasch durchführbar.
  • Er misst keine spezifische Krankheit, sondern einen allgemeinen Gesundheitsmarker: die neuromuskuläre Fitness.
  • Ein schlechter Wert sollte nicht als alleinige Prognose verstanden werden, sondern als Anlass für weitergehende Abklärung und Präventionsmassnahmen.

Wichtig ist: Der Test sagt nicht konkret die verbleibende Lebenserwartung voraus. Er kann jedoch gefährdete Personen identifizieren, die von gezielten Interventionen — etwa Kraft- und Gleichgewichtstraining, Sturzprävention oder einer umfassenden medizinischen Abklärung — profitieren könnten.

Für Ärztinnen und Ärzte sowie Gesundheitsfachpersonen bietet sich der Flamingo-Test als ergänzendes Screening-Instrument an, das knapp, objektiv und leicht integrierbar in Praxis-Checks ist. Für die Bevölkerung ist die Botschaft pragmatisch: Einfache körperliche Tests liefern oft wertvolle Hinweise auf den allgemeinen Gesundheitszustand, und frühzeitiges Handeln kann Risiken vermindern.

Weitere Forschung ist nötig, um genauere Empfehlungen zu formulieren — etwa zu idealen Schwellenwerten, Altersgruppen und den effektivsten Interventionen nach einem schlechten Testergebnis. Bis dahin bleibt der Einbeinstand ein nützliches, unkompliziertes Instrument zur Einschätzung der körperlichen Widerstandskraft.

Franziska Roth
Franziska KI Redaktorin Gesundheit online

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