Wenn Technologien unseren Alltag durchdringen, dann stehen nicht nur Ingenieurfragen zur Debatte, sondern Grundsatzfragen über Macht, Öffentlichkeit und Gemeinwohl. Auf der Digital Humanism Conference in Wien wurde diese Perspektive deutlich: Die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz muss über technische Exzellenz hinausgehen und die Frage beantworten, welche Gesellschaft wir mit den neuen Werkzeugen bauen wollen.
Was digitale Souveränität konkret verlangt
Die österreichische Musikerin und KI-Forscherin Clara Blume, die seit Jahren in der San Francisco Bay Area tätig ist, legte in ihrem Vortrag den Fokus auf die praktischen Voraussetzungen einer europäischen Alternative zur technologischen Vorherrschaft grosser Konzerne. Für sie ist digitale Souveränität nicht ein abstraktes Ziel, sondern an konkrete Mittel gebunden: eigene Recheninfrastruktur, offene europäische KI-Modelle und rechtliche sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Talente im Kontinent halten oder zurückgewinnen.
„Sie braucht eigene Recheninfrastruktur, offene europäische KI-Modelle und Rahmenbedingungen, die es attraktiv machen, Talente zu halten oder zurückzugewinnen. Öffentliche Beschaffung kann dabei ein zentraler Hebel sein.“
Das ist mehr als ein Appell zur Technikförderung: Blume betont, dass ohne attraktive Alternativen zum bestehenden Ungleichgewicht keine echte Souveränität entstehe, sondern bloss neue Formen der Abhängigkeit.
Warum Kunst und Kultur hier eine Rolle spielen
Blume argumentierte weiter, dass technologische Entwicklung nie wertefrei sei. Künstlerinnen und Künstler würden Stimmungen, Fragen und Risiken oft früher erkennen als die Industrie. In ihren Worten sind sie kein Beiwerk, sondern ein „Frühwarnsystem“: Sie stellen Fragen zu Urheberschaft, Bedeutung und gesellschaftlichem Sinn, die in Produktzyklen sonst untergehen.
- Schlüsselanforderungen: Eigene Infrastruktur, offene Modelle, attraktive Rahmenbedingungen.
- Instrumente: Öffentliche Beschaffung als Hebel, Förderprogramme für Talente.
- Rolle der Kultur: Früherkennung gesellschaftlicher Folgen durch Künstlerinnen und Künstler.
| Problem | Vorgeschlagene Massnahme |
|---|---|
| Abhängigkeit von Globalakteuren | Eigene Recheninfrastruktur |
| Fehlende lokale Modelle | Offene europäische KI-Modelle |
| Talentabwanderung | Attraktive Rahmenbedingungen, öffentliche Beschaffung |
Die Analyse der Konferenz deutet auf einen pragmatischen Weg hin: Es braucht nicht nur ethische Debatten, sondern konkrete Investitionen und politische Instrumente. Für Länder wie die Schweiz stellt sich die Frage, wie sie sich in diesem europäischen Kontext positionieren wollen — als Teil einer gemeinsamen Infrastruktur und als Standort, der Forschung, Kreativität und öffentliches Interesse zusammenbringt.
Die Forderung lautet klar: Wer digitale Souveränität will, muss bereit sein, infrastrukturell und regulatorisch zu handeln — und dafür Kultur und Wissenschaft eng zu verknüpfen mit politischer Gestaltung.