Viele Beratungsstellen beginnen Gespräche mit einer simplen, aber erschütternden Feststellung: Drogenprobleme betreffen zunehmend Jüngere und zeigen andere Gesichter. Bruno Marcato, Leiter des Vereins Hands, schildert eine Szene, die sich tiefgreifend verändert hat. Die Person, die vor ihm sass, war 26 Jahre alt – und hatte erstmals mit 13 Jahren Kokain konsumiert. Heute kommt sie in die Beratung, weil der Konsum körperliche Schäden verursacht: Probleme mit den Nieren und der Bauchspeicheldrüse, und das einstige Vergnügen ist weggefallen.
Eine andere Konsumentenszene
Marcato, der mit der Beratungsarbeit vertraut ist, nennt drei Substanzen, die heute besonders präsent sind: Kokain, Ketamin und Psychopharmaka. Die Reihenfolge der Nennung deutet auf eine Alltagserfahrung in der Beratungsstelle hin: nicht nur klassische Rauschdrogen, sondern auch verschriebene Medikamente spielen in den Fällen eine Rolle. Aus Gesprächen mit Betroffenen entsteht ein Bild, in dem der frühe Einstieg, die Mischung von Substanzen und die langfristigen gesundheitlichen Folgen zusammenkommen.
„Die Szene hat sich völlig verändert.“
Dieses Zitat fasst die Erfahrung zusammen, die Marcato schildert: Konsummuster und -gründe haben sich gewandelt, und damit auch die Anforderungen an Prävention und Behandlung. Die Folge sind komplexere Beratungssituationen und häufigere körperliche Gesundheitsschäden.
Konkrete gesundheitliche Probleme
Die in der Beratung berichteten Schäden reichen von Organproblemen bis zum Verlust der Genussfähigkeit. Die Fallbeschreibung mit Nieren- und Pankreasbeschwerden zeigt, dass die Folgen nicht nur psychisch oder sozial sind, sondern handfeste, oft chronische körperliche Erkrankungen bedeuten können.
- Früher Einstieg (Beispiel: Erstkonsum mit 13 Jahren) erhöht das Risiko für langanhaltende Probleme.
- Konsum von Kokain, Ketamin und Psychopharmaka tritt kombiniert auf und verändert die Behandlungslage.
- Körperliche Schäden (Nieren, Bauchspeicheldrüse) treten bereits bei jungen Erwachsenen auf.
Für die Beratungsarbeit heisst das: Die Angebote müssen auf komplexe Bedarfe ausgerichtet sein. Neben psychologischer Unterstützung braucht es medizinische Abklärungen, längerfristige Begleitung und Präventionsarbeit, die früh ansetzt und auch Familien einbezieht. Marcatos Beispiele zeigen, wie wichtig niedrigschwellige Zugänge zu Hilfe sind – gerade wenn der Einstieg so früh erfolgt und die Lebenswege der Betroffenen dadurch nachhaltig verändert werden.
| Substanz | In der Meldung genannte Effekte / Beobachtung |
|---|---|
| Kokain | Früher Einstieg; körperliche Schäden, Genussverlust |
| Ketamin | Teil des aktuellen Konsummixes (ohne detaillierte Schilderung) |
| Psychopharmaka | Weit verbreitet, Bestandteil des modernen Konsums |
Die Schilderungen aus der Beratungsarbeit in Südtirol sind kein Selbstzweck: Sie weisen auf Lücken in Prävention und Versorgung hin, die auch auf nationaler Ebene diskutiert werden müssen. Wenn Jugendlichen der Zugang zu Drogen so früh gelingt und Kombinationen aus illegalen Substanzen und verschreibungspflichtigen Medikamenten zur Regel werden, braucht es koordinierte Antworten von Gesundheit, Schulen und Sozialdiensten.
Die einzelnen Fälle sind Ausdruck eines grösseren Trends: veränderte Szenen, veränderte Risiken, veränderte Anforderungen an Hilfsangebote. Die Stimmen der Beratenden wie Bruno Marcato mahnen, diese Veränderungen nicht zu übersehen – sie verlangen politisches und fachliches Handeln, ehe aus frühen Problemen chronische Schäden werden.