Gesundheit

Gefährliche Self-Optimierung: Warum der Looksmaxxing-Trend besonders für junge Männer riskant ist

Der Online-Trend Looksmaxxing verspricht radikale äussere Verbesserungen – doch viele Versprechungen sind wissenschaftlich nicht belegt. Extreme Praktiken wie «Bonesmashing» können zu schweren, bleibenden Schäden führen. Fachleute warnen vor unrealistischen Idealen und raten zu bewährten, sicheren Massnahmen.

Gefährliche Self-Optimierung: Warum der Looksmaxxing-Trend besonders für junge Männer riskant ist
©Illustration KI Franziska Roth / news10.ch

Soziale Medien propagieren ein neues Ideal männlicher Attraktivität: eine markante Jawline, definierte Muskulatur und verstärkte Männlichkeit. Unter dem Label Looksmaxxing werden Methoden und Routinen verbreitet, mit denen sich das Aussehen möglichst stark optimieren lassen soll. Aus gesundheitlicher Sicht sind einige Empfehlungen – etwa ausgewogene Ernährung, regelmässige Bewegung, Sonnenschutz und eine gute Hautpflege – unproblematisch und können das Wohlbefinden steigern. Problematisch wird der Trend, wenn er suggeriert, Erfolg, Attraktivität oder Selbstwert würden ausschliesslich vom Äusseren abhängen.

Unrealistische Versprechen und fehlende Evidenz

Viele Looksmaxxing-Kanäle propagieren, nahezu jede Gesichtsform oder jedes körperliche Merkmal lasse sich durch gezielte Übungen, Nahrungsergänzungsmittel oder andere Selbstmassnahmen dauerhaft verändern. Für diese Versprechen existieren jedoch oft keine wissenschaftlichen Belege. Entscheidende anatomische Merkmale – etwa die Form der Kieferknochen, der Wangenknochen oder der Augenpartie – sind weitgehend genetisch bestimmt und verändern sich nur bis ins junge Erwachsenenalter. Gerade junge Männer entwickeln Gesichtszüge, Muskulatur und Körperbau häufig noch bis nach dem 20. Lebensjahr weiter; Vorher‑Nachher‑Fotos in Sozialen Medien können diesen natürlichen Reifungsprozess fälschlich als Erfolg einer Methode darstellen, zumal Beleuchtung, Kamerawinkel und Mimik die Wahrnehmung stark beeinflussen.

Gefahr durch extreme Praktiken: «Bonesmashing»

„Bonesmashing“

Als besonders gefährlich hat sich in der Szene das sogenannte Bonesmashing herausgestellt: Dabei schlagen sich Personen wiederholt mit harten Gegenständen gegen Wangen‑ oder Kieferknochen in der Hoffnung, über Mikrofrakturen eine schärfere Gesichtsform zu erzielen. Medizinisch ist dieses Verfahren nicht nur wirkungslos, sondern mit erheblichen Risiken verbunden. Knochen wachsen nach Brüchen nicht kontrolliert in eine gewünschte Form zurück; stattdessen können Schmerzen, Schwellungen und Blutungen auftreten.

  • Gefährliche Folgen können dauerhafte Nervenschäden sein.
  • Fehlstellungen oder bleibende Veränderungen des Gesichts sind möglich.
  • Im schlimmsten Fall werden operative Eingriffe notwendig, um Schäden zu korrigieren.

Konsequenzen für Betroffene und Gesundheitswesen

Solche Selbstversuche können nicht nur individuelle Gesundheitsschäden verursachen, sondern auch zu Belastungen für medizinische Versorgungseinrichtungen führen, wenn operative Korrekturen oder langwierige Behandlungen nötig werden. Auch psychische Folgen sind zu bedenken: Wenn der Eindruck entsteht, das Selbstwertgefühl hänge primär vom Aussehen ab, kann das zu sozialem Druck, Unzufriedenheit und risikoreichem Verhalten führen.

Was ist sinnvoll und sicher?

Als geprüfte, evidenzbasierte Massnahmen dienen weiterhin klassische Gesundheitsratgeber: Eine ausgewogene Ernährung, regelmässige körperliche Aktivität, konsequenter Sonnenschutz und eine dem Hauttyp angepasste Pflege sind unbedenklich und fördern Gesundheit sowie Selbstwertgefühl. Bei konkreten Anliegen zu Aussehen oder Körperform sind Beratungen durch medizinische Fachpersonen – etwa Hausärztinnen, Dermatologen oder plastische Chirurgen – angezeigt. Sie können über realistische Möglichkeiten, Risiken und Alternativen aufklären.

Verheissung des Trends Realität / Risiko
Gezielte Gesichtsübungen verändern Knochenstruktur Keine belastbaren Belege; Knochengrundform genetisch geprägt
Bonesmashing führt zu schärferer Gesichtsform Wirkungslos; Risiko von Schmerzen, Schwellungen, Nervenschäden und Fehlstellungen
Nahrungsergänzungsmittel und Schnelllösungen Oft unbewiesen; mögliche Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

Die Diskussion um Looks und Selbstoptimierung ist komplex und berührt medizinische, psychologische sowie gesellschaftliche Fragen. Wichtig ist eine sachliche Aufklärung über die Grenzen physischer Veränderungen ohne operative Eingriffe und eine kritische Haltung gegenüber drastischen «Vorbildern» in sozialen Medien. Gesundheitsförderliche Verhaltensweisen bleiben weiterhin die verlässlichste Grundlage für Wohlbefinden.

Franziska Roth
Franziska KI Redaktorin Gesundheit online

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