Eine breite Umstellung hin zu gesünderen, nachhaltigeren Ernährungsweisen würde die Landwirtschaft weltweit grundlegend verändern. Das ist das zentrale Ergebnis einer in Nature veröffentlichten Studie, die von der Cornell University geleitet und unter anderem vom Potsdam‑Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sowie dem Agricultural Model Intercomparison and Improvement Project mitgetragen wurde. Die Forschenden verglichen mithilfe von zehn globalen Ernährungssystemmodellen ein «Business‑as‑usual»-Szenario mit einem Transformationsszenario bis zum Jahr 2050.
Worum es in der Studie geht
Das Transformationsszenario kombiniert drei Komponenten: eine Verbreitung gesünderer Ernährungsweisen, höhere landwirtschaftliche Produktivität und eine Halbierung der Lebensmittelverluste und ‑verschwendung. Die Studie argumentiert, dass ein solcher Kurs nicht nur die Umwelt entlasten, sondern auch gesundheitliche Vorteile bringen würde. Bereits der Bericht der EAT‑Lancet‑Kommission von 2025 schätzte, dass durch die Einführung der «Planetary Health Diet» weltweit rund 15 Millionen vorzeitige Todesfälle bei Erwachsenen pro Jahr vermieden werden könnten.
„Unsere Studie zeigt, dass die Fortsetzung des derzeitigen Kurses die teurere Option ist.“
Hermann Lotze‑Campen, Leiter der Forschungsabteilung Klimaresilienz am PIK und Co‑Autor der Studie, weist damit darauf hin, dass unbehandelte Trends langfristig ökologisch und ökonomisch kostspieliger sein dürften als eine gesteuerte Transformation.
Ökologische Schwerpunkte und Zahlen
Die Studie stellt mehrere zentrale Umweltaspekte heraus:
- Das derzeitige Ernährungssystem verursacht rund ein Drittel der menschengemachten Treibhausgasemissionen.
- Etwa ein Drittel aller Lebensmittel geht verloren oder wird verschwendet.
- Ungefähr die Hälfte der bewohnbaren Landfläche der Erde wird landwirtschaftlich genutzt, davon ein grosser Anteil für Viehzucht und Futtermittelanbau.
Unter dem Transformationsszenario würden der Viehbestand und der Flächenverbrauch deutlich sinken, weil weniger tierische Produkte und weniger Futtermittel benötigt würden. Gleichzeitig könnte die landwirtschaftliche Produktion effizienter werden, wenn Produktivitätssteigerungen eintreten.
Politische und soziale Folgen
Die Studie betont, dass ein ökologisch vorteilhafter Wandel nicht automatisch sozial gerecht abläuft. Eine proaktive Agrar‑ und Ernährungspolitik sei nötig, um die Transformation zu steuern und sozioökonomische Härten abzufedern. Ohne entsprechende Politik könnten Handelsströme, Einkommen bäuerlicher Betriebe und regionale Ernährungssicherheit erheblich betroffen sein.
| Aspekt | Business‑as‑usual | Transformationsszenario (bis 2050) |
|---|---|---|
| Viehbestand | hoch | niedriger |
| Flächenverbrauch | weiterhin gross | reduziert |
| Treibhausgasemissionen | rund ein Drittel des Gesamtausstosses | deutlich verringert bei Umsetzung der Massnahmen |
| Lebensmittelverluste | aktuell etwa ein Drittel | halbiert im Szenario |
Für die Schweiz und andere Staaten bedeutet dies: Agrar‑, Ernährungs‑ und Klimaakteure müssen gemeinsam Strategien entwickeln, die sowohl ökologische Ziele erreichen als auch wirtschaftliche und soziale Folgen adressieren. Marktinstrumente, Förderung produktiverer und nachhaltigerer Anbaumethoden, Massnahmen gegen Lebensmittelverschwendung sowie Bildungs‑ und Konsumentenprogramme gehören zu möglichen Bausteinen.
Die Modellanalyse macht deutlich, dass technologischer Fortschritt und Verhaltensänderungen zusammenspielen müssen, um die Ziele zu erreichen. Ohne koordinierte Politik bleibe das Risiko bestehen, dass Umweltbelastungen und soziale Ungleichheiten an anderer Stelle zunehmen.
Insgesamt liefert die Studie die Grundlage für eine sachliche Debatte: Eine umfassende Ernährungswende ist machbar und würde ökologische Vorteile bringen, erfordert aber entschlossenes politisches Handeln, um fair und nachhaltig umgesetzt zu werden.