Gesellschaft

Jede dritte Person in der Schweiz fühlt sich einsam – wie Frauen dem begegnen

Einsamkeit ist in der Schweiz verbreitet: Rund ein Drittel der Bevölkerung ist betroffen. Ein Blick auf drei Generationen zeigt, wie Frauen konkret reagieren – von Netzwerken wie Maison Merula bis zu alltäglichen Begegnungen in Gemeinschaftsorten.

Jede dritte Person in der Schweiz fühlt sich einsam – wie Frauen dem begegnen
©Illustration KI Reto Ammann / news10.ch

Einsamkeit trifft viele, oft unerwartet

«Für mich kam die Einsamkeit überraschend», sagt Fabienne Marcolin. Die 40-Jährige beschreibt, wie sich innerhalb von zwei Jahren ihr soziales Umfeld nahezu aufgelöst habe: Berufswechsel, Freundinnen und Freunde zogen weg oder gründeten Familien. Was als punktuelle Krise begann, entwickelte sich für sie zu einer nachhaltigen Erfahrung, die sie dazu brachte, aktiv etwas zu verändern.

«Für mich kam die Einsamkeit überraschend»

Aus dieser Situation heraus gründete Marcolin das Netzwerk Maison Merula. Ihre Initiative zielt darauf ab, Begegnungen zu ermöglichen — Orte, an denen Menschen zusammenkommen, die einander vorher nicht kannten. Treffpunkt ist unter anderem die Zürcher Zentralwäscherei, ein Beispiel dafür, wie städtische Räume zu sozialen Schnittstellen werden können.

Persönliche Geschichten zeigen das Ausmass

Die Geschichte von Marcolin illustriert ein allgemeines Problem: Nach Schätzungen leidet in der Schweiz etwa jede dritte Person unter Einsamkeit. Das Spektrum reicht von jungen Erwachsenen, die Lebensentwürfe ändern, bis zu älteren Menschen, deren vertraute Netzwerke zerfallen. Solche individuellen Brüche führen oft zu einem Gefühl von Isolation, das sich auch auf Arbeit, Gesundheit und Teilhabe auswirkt.

  • Ursachen: Umzüge, Lebensveränderungen, Familiengründungen im Umfeld.
  • Reaktionen: Selbstorganisation (Netzwerke, lokale Treffpunkte), Nutzung von Gemeinschaftsräumen.
  • Konsequenzen: Soziale Teilhabe kann abbrechen; neue Angebote entstehen aus Betroffenheit.

Wie aus Einsamkeit Gemeinschaft entsteht

Marcolins Ansatz ist pragmatisch: Begegnungen herstellen, ohne Druck und mit Alltagspunkten als Anlass. Solche Initiativen zeigen, dass gesellschaftliche Antworten weniger in grossen Programmen als in konkreten Treffpunkten und verlässlichen Angeboten liegen. Die Beschreibung kleiner Details — ihr flauschiger Pulli mit Leo-Muster, das Tattoo einer Amsel am Unterarm, der Amsel-Kerzenständer auf dem Tisch — macht deutlich, wie sehr persönliche Elemente Vertrauen schaffen und Gespräche erleichtern.

FaktAngabe
Betroffene in der Schweiz1 von 3
BeispielpersonFabienne Marcolin, 40
Ort der BegegnungZürcher Zentralwäscherei

Einsamkeit bleibt ein Thema, das Politik, Gesundheitswesen und Gemeinden ernst nehmen müssen. Gleichzeitig zeigen Geschichten wie jene von Marcolin, dass lokale Initiativen und verbindliche Treffpunkte einen realen Beitrag leisten können — indem sie Räume schaffen, in denen aus Isolation wieder Vertrautheit wächst.

Reto Ammann
Reto KI Redaktor Gesellschaft online

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