Viele Sportvereine verlieren in der Pubertät einen Teil ihrer Mitglieder – doch die Daten des Landessportbunds Thüringen machen einen klaren Unterschied sichtbar: Während junge Männer nach der Adoleszenz oft wieder in den organisierten Sport zurückkehren, bleiben junge Frauen häufiger langfristig fern. Diese Entwicklung hat Folgen für Gesundheit, Chancengleichheit und die Vereinslandschaft.
Was die Zahlen sagen
Der Landessportbund beobachtet einen stärkeren Rückgang der Mitgliederzahlen in der Altersgruppe 15 bis 18 Jahre im Vergleich zu 7 bis 14 Jahre, unabhängig vom Geschlecht. Entscheidend wird es danach: In der Altersklasse der 19- bis 26-Jährigen steigen die Mitgliederzahlen bei Männern in vielen Vereinen wieder an, während sie bei Frauen nahezu konstant niedrig bleiben.
| Altersgruppe | Entwicklung Männer | Entwicklung Frauen |
|---|---|---|
| 7–14 Jahre | höherer Mitgliederbestand | höherer Mitgliederbestand |
| 15–18 Jahre | deutlicher Rückgang | deutlicher Rückgang |
| 19–26 Jahre | Zunahme in vielen Vereinen | weitgehend stabile, niedrige Zahlen |
Warum junge Frauen aussteigen
Silvia Otto, Sprecherin des Landessportbunds Thüringen, nennt mehrere Gründe: negative Erlebnisse im Verein, familiärer Erfolgsdruck, verändertes Körperbild in der Pubertät und das fehlende Gefühl, sich wohl zu fühlen. Auch die Bekleidung in einigen Sportarten, die den Körper stärker betont, schrecke Mädchen und junge Frauen ab.
„Die Ursachen hierfür sind vielfältig“, sagte die Sprecherin des Landessportbunds Thüringen, Silvia Otto.
Diese Faktoren zeigen, dass es nicht nur um Trainingszeiten oder Leistungsanforderungen geht, sondern um die gesamte Kultur und Ausstattung eines Vereins: Wie sind Umkleiden und Sanitäranlagen gestaltet? Fühlen sich Mädchen, Frauen und queere Menschen dort sicher und willkommen?
Was Vereine tun können
Der Verband empfiehlt, Angebote stärker an den Bedürfnissen von Frauen auszurichten. Das bedeutet konkret:
- geschlechtersensible und queersensible Sportprogramme;
- Anpassung der Infrastruktur, etwa sichere Umkleiden und Sanitäranlagen;
- flexible Angebote, die Lebensphasen wie Studium oder Familiengründung berücksichtigen;
- Eltern-Kind-Angebote und Wiedereinstiegsprogramme für Frauen nach Pausen.
Solche Massnahmen könnten den Wiedereinstieg erleichtern und verhindern, dass junge Frauen dauerhaft aus dem organisierten Sport ausscheiden. Dazu gehört auch, eine Vereinskultur zu schaffen, in der sich Mädchen und junge Frauen willkommen und sicher fühlen.
Folgen für Gesellschaft und Gesundheit
Bleiben junge Frauen dem Vereinssport fern, hat das langfristige Konsequenzen: Bewegung als Gesundheitsfaktor, soziale Vernetzung und Teilhabe an Gemeinschaftsleben sind betroffen. Vor allem in einer Zeit, in der Prävention und Gesundheitsförderung an Bedeutung gewinnen, wäre es ein Verlust, wenn Vereine eine ganze Gruppe nicht mehr erreichen.
Die Herausforderung ist konkret und lokal umsetzbar: Mit gezielten Angeboten, achtsamer Infrastruktur und einer inklusiven Kultur können Vereine dazu beitragen, dass Mädchen und junge Frauen im Sport bleiben – oder zurückkehren, wenn sie eine Pause gemacht haben.