Staatsrat sieht Risiko, aber keine kantonale Eingreiftruppe
Der Freiburger Staatsrat hat auf einen parlamentarischen Vorstoss reagiert, der nach der dramatischen Lage bei der Cremo eine «Expertenkommission» forderte. Die Exekutive anerkennt, dass eine Schliessung des Cremo‑Standorts in Villars‑sur‑Glâne erhebliche Auswirkungen hätte, lehnt die geforderte Kommission jedoch ab und macht deutlich, dass die Verantwortung primär beim Unternehmen liege.
Im Vorstoss, eingereicht im Februar 2026 von 15 Grossrätinnen und Grossräten, wird die Cremo als in einer «schweren Krise» befindlich bezeichnet. Gefürchtet werden sowohl wirtschaftliche wie soziale Folgen für den Kanton sowie ein Reputationsverlust, weil sich Freiburg stark auf die Agrar‑ und Lebensmittelwirtschaft als wirtschaftliche Priorität ausgerichtet habe.
Welche Folgen nennt der Staatsrat?
Der Staatsrat nennt in seiner Antwort konkrete Zahlen: Eine mögliche Schliessung würde den Wegfall eines wichtigen Milchabnehmers für rund 1'800 Produzenten aus den Kantonen Freiburg, Waadt, Wallis und Bern bedeuten. Davon wären insbesondere die 1'135 Produzenten betroffen, die direkt mit der Cremo S.A. verbunden sind. Auch hunderte Arbeitsplätze, vor allem im Kanton Freiburg, stünden auf dem Spiel.
- Betroffene Produzenten: rund 1'800 (kantonsübergreifend)
- Direkt verbundene Produzenten: 1'135
- Standort: Villars‑sur‑Glâne (FR)
- Parlamentarischer Vorstoss: Februar 2026, 15 Unterzeichnende
- Hauptaktionär: Freiburgischer Milchverband (FMV), der seine Unterstützung für Verwaltungsrat und Geschäftsleitung am 27. Februar 2026 bekundete
Warum lehnt der Staatsrat die Kommission ab?
Der Staatsrat anerkennt die Tragweite der Krise, betont aber, dass die primäre Verantwortung für das Weiterbestehen und für Sanierungslösungen beim Unternehmen und bei seinem Verwaltungsrat liege. Eine kantonale Expertenkommission würde demnach nicht die passenden Akzente setzen, stattdessen verweist die Exekutive darauf, dass bestehende Instrumente und das Engagement der Akteure vor Ort entscheidend seien.
Konkrete Auswirkungen für die Region
Für viele Produzenten im Kanton Freiburg ist die Cremo eine zentrale Absatzmöglichkeit. Der Wegfall eines Abnehmers dieser Grössenordnung würde kurzfristig Marktverschiebungen, Preisdruck und logistische Herausforderungen nach sich ziehen. Kleinere Betriebe ohne alternative Absatzkanäle stünden unter besonderem Druck. Arbeitsplätze in Verarbeitung, Logistik und Verwaltung am Standort Villars‑sur‑Glâne wären akut gefährdet.
Was bedeutet das für betroffene Milchproduzenten?
Für die betroffenen Milchbauern ergeben sich daraus mehrere praktische Fragen: Wie schnell können alternative Abnehmer gefunden werden? Welche vertraglichen Bindungen bestehen? Gibt es Unterstützung bei Umschaltungen der Lieferbeziehungen oder bei vorübergehenden Liquiditätsengpässen? Der Staatsrat verweist zwar auf die Problematik, konkret zugesicherte kantonale Hilfspakete oder Koordinationsmassnahmen kündigt er jedoch nicht an.
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Betroffene Produzenten | ~1'800 |
| Direkt mit Cremo verbunden | 1'135 |
| Stichtag / Vorstoss | Februar 2026 |
| FMV‑Mitteilung | 27. Februar 2026 |
Die Antwort des Staatsrats wirft Fragen auf, die nun die politischen Gremien und die Betroffenen beschäftigen werden: Reichen die Marktmechanismen und die Unterstützung durch Branchenakteure aus, oder sind koordinierte staatliche Eingriffe notwendig, um die Versorgungssicherheit und die Existenz vieler Betriebe zu sichern?
Solange die Cremo selbst keine klaren Verlautbarungen zu ihrem strategischen Vorgehen und zu möglichen Standortalternativen veröffentlicht, bleibt die Lage für viele Produzentinnen und Produzenten angespannt. Die nächsten Schritte dürften auf Branchen‑ wie auf politischer Ebene diskutiert werden müssen, um kurzfristige Härten zu mildern und langfristige Strukturen in der regionalen Milchwirtschaft zu sichern.