Immer mehr soziale Dienste, die bislang als verlässliche Anlaufstellen für Menschen in prekären Lagen dienten, müssen wegen finanzieller Einschnitte ihr Angebot reduzieren. Für die Betroffenen bedeutet das oft nicht bloss einen Komfortverlust, sondern den Wegfall eines relativ sicheren Ortes zum Aufwärmen, zum Austausch und zur Beratung.
Ein Tag weniger – spürbare Auswirkungen
In einer Einrichtung, die unter anderem ein niedrigschwelliges Café, Beratung und Streetwork betreibt, fällt künftig ein Wochentag weg: Dienstag ist geschlossen. Das klingt auf den ersten Blick wenig, für viele Klientinnen und Klienten aber ist genau dieses Angebot ein wichtiger Tagesanker: ein kostenloser Tee, ein Kaffee für 70 Rappen, ein Frühstück für 2 Franken und ein geschützter Aufenthaltsort.
"So, unsere Einrichtung ist heute zu, was machen wir jetzt?"
Die Schliessung ist nicht zufällig terminiert: Am gleichen Wochentag bleiben auch Tagesstätten der Wohnungsnotfallhilfe geschlossen. Trägerinnen und Träger hoffen, mit der eingeschränkten Präsenz erneut Öffentlichkeit zu erzeugen und gemeinsam mit Klientinnen und Klienten vorne beim Rathaus auf die Situation aufmerksam zu machen.
Personal und Arbeitsbelastung
Die betroffene Organisation beschäftigt 13 Sozialarbeitende plus einen FSJ-Teilnehmenden. Mitarbeiterinnen arbeiten häufig in Teilzeit; für das kommende Herbstsemester steht zudem die Nichtwiederbesetzung einer vollen Stelle im Raum. Eine der Fachpersonen berichtet, sie arbeite derzeit 80 Prozent und betreue rund 40 Klient:innen in der Beratung, dazu kommen Verantwortung für Cafébetrieb und Streetwork. Die Bandbreite der Fälle reicht demnach von akuten Psychosen über Entzugssituationen bis zu Suizidalität.
- Wegfall eines täglichen Angebots mindert verlässliche Tagesstrukturen.
- Personalengpässe führen zu weniger Beratungskapazitäten.
- Öffentlichkeitsaktionen sollen auf die Kürzungen aufmerksam machen.
Gesellschaftlicher Kontext und Folgen
Wer kein Geld hat, bleibt krank – dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch die Erfahrungen der Mitarbeitenden. Die gegenwärtigen Sparmassnahmen stehen im Kontrast zu steigenden Bedarfen: Mehr Menschen sind von Wohnungslosigkeit und Suchterkrankungen betroffen, gleichzeitig werden Angebote reduziert. Fachkräfte sehen nicht nur die unmittelbaren Folgen für ihre Klientel, sondern auch langfristige Risiken für das Versorgungssystem: Weniger Prävention, längere Krankheitsverläufe, erhöhtes Risiko für Eskalationen auf der Strasse.
| Grösse der Einrichtung | Angaben |
|---|---|
| Sozialarbeitende | 13 + 1 FSJ |
| Arbeitszeit einer Betroffenen | 80% |
| Klient:innen in Beratung | 40 |
Die Entscheidungsträgerinnen und -träger, so die Mitarbeitenden, könnten anders handeln; der aktuelle Kurs führe jedoch zu einem Abbau von Angeboten, die genau jene Menschen dringend brauchen, die oft wenig Stimme in politischen Diskussionen haben. Solidarische Netzwerke und Mitarbeitende tragen heute viel von jener Fürsorge, die eigentlich staatlich gesichert sein sollte.
Ob die geplanten Protestaktionen und Öffentlichkeitsarbeit den Druck erhöhen und zusätzliche Mittel mobilisieren können, wird sich zeigen. Klar ist: Für die betroffenen Menschen zählt jeder offene Tag, jedes warme Getränk, jeder Ort, an dem sie ohne Bedingungen verweilen dürfen.