Arbeitszeit, Betreuung und Lebenslagen: Der Befund aus NRW
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt in Nordrhein-Westfalen ein drängendes Thema. Der aktuelle Familienbericht der schwarz-grünen Landesregierung dokumentiert klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Männer zuletzt leicht auf 39 Stunden sank, arbeiten Mütter im Mittel nur noch 27 Stunden pro Woche. Diese Zahlen zeigen, dass Frauen beruflich nach wie vor kürzer treten und damit mehr Zeit für Betreuung und Haushalt einplanen müssen.
Alltagsbeispiele bestätigen den Befund: Viele Familien scheinen formal beide Elternteile erwerbstätig zu wissen, doch an Werktagen wenden Mütter offenbar rund doppelt so viel Zeit für Kinderbetreuung und Haushalt auf wie Väter.
"Kinderbetreuung werde immer noch zum großen Teil von Frauen gestemmt, auch wenn sie gleich viel arbeiteten wie Männer,"so NRW-Familienministerin Verena Schäffer (Grüne) laut Bericht.
Lebenslagen und Risikofaktoren
Der Bericht zeichnet zugleich ein differenziertes Bild der Familienstruktur in NRW: 2024 lebten dort rund 2,55 Millionen Familien, darunter knapp 1,8 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. Fast die Hälfte der Familien mit Kindern unter 18 Jahren (etwa 49 Prozent) hatte 2022 einen Migrationshintergrund. Gleichzeitig weisen die Daten auf Bildungs- und Erwerbsdefizite hin: Jeweils rund 10 Prozent der Eltern verfügen über keinen Schulabschluss, fast ein Drittel hat keinen beruflichen Abschluss.
- Unterschiede in der Wochenarbeitszeit: Männer 39 h, Mütter 27 h.
- Familienbestand: 2,55 Mio. Familien, 1,8 Mio. mit Kindern.
- Migrationshintergrund bei Familien mit Kindern: 49 Prozent.
Konsequenzen für Politik und Gesellschaft
Die Zahlen deuten auf mehrere politische Handlungsfelder hin: bessere Kinderbetreuungsangebote, gezielte Unterstützungsangebote für Eltern ohne Schul- oder Berufsabschluss sowie Massnahmen, die eine gerechtere Aufteilung von Sorgearbeit fördern. Gleichzeitig zeigt die Bestandsaufnahme, dass viele Familien ihre Lage zwar insgesamt als «gut» einschätzen, sich aber belastet fühlen durch Krisen, wirtschaftliche Unsicherheit und Armutsrisiken.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Durchschnittliche Wochenarbeitszeit Männer (2024) | 39 Stunden |
| Durchschnittliche Wochenarbeitszeit Mütter (2024) | 27 Stunden |
| Familien insgesamt (2024) | 2,55 Mio. |
| Familien mit minderjährigen Kindern | 1,8 Mio. |
| Familien mit Migrationshintergrund (bei Kindern <18) | 49% |
Der Bericht ist die erste umfassende wissenschaftliche Bestandsaufnahme der Landesregierung seit 2015 und liefert damit eine Grundlage für politische Debatten über Gleichstellung, Familienförderung und Integration. Die Herausforderung bleibt, Strukturen zu schaffen, die es Eltern — insbesondere Müttern — erlauben, Erwerbsarbeit und Sorgeaufgaben gerechter zu verteilen, ohne dass die Erwerbsbiografie und damit langfristige soziale Sicherung darunter leiden.