Neu: Kantonliche Förderung für Trinkwasserkraft
Der Regierungsrat des Kantons Obwalden hat ein neues Förderprogramm beschlossen, das die Prüfung und Projektierung von Trinkwasserkraftwerken finanziell unterstützt. Konkret übernimmt der Kanton künftig 60 Prozent der Kosten für die Machbarkeitsprüfung und die anschliessende Projektierung von Kleinkraftwerken, die von öffentlichen oder privaten Wasserversorgungen betrieben werden sollen.
Damit soll das bislang nur teilweise genutzte Potenzial der Trinkwasserkraft besser ausgeschöpft und die lokale Stromproduktion gefördert werden. Der Kanton betont, die Unterstützung gelte während der gesamten Projektdauer – von der ersten Abklärung bis zur Umsetzung. Falls ein Kraftwerk realisiert wird, können die Wasserversorgungen zusätzlich Investitionsbeiträge oder die gleitende Marktprämie des Bundes beantragen.
Hintergrund und Bedeutung für Gemeinden
Seit 2025 bietet der Bund erweiterte Förderinstrumente für neue Wasserkraftprojekte; Trinkwasserkraftwerke konnten davon bisher allerdings nur eingeschränkt profitieren. Mit dem kantonalen Programm schliesst Obwalden diese Lücke und stärkt kleinere, dezentrale Energiequellen. Für viele Gemeindewerke und regionale Verbände bedeutet dies eine geringere finanzielle Hürde bei ersten Abklärungen.
- Förderumfang: 60% der Kosten für Machbarkeitsprüfung und Projektierung
- Zusätzliche Möglichkeiten: Investitionsbeiträge und gleitende Marktprämie vom Bund bei Realisierung
- Aktueller Stand: Im Kanton sind bereits 14 Trinkwasserkraftwerke in Betrieb
Reaktionen aus Politik und Branche
An einer Informationsveranstaltung vom 2. Juli 2026 nahmen 20 Vertreterinnen und Vertreter von Obwaldner Wasserversorgungen teil, was das Interesse an Trinkwasserkraftwerken sichtbar machte. Energiedirektor Josef Hess betonte die Bedeutung dieser Anlagen für die lokale Versorgung:
"Trinkwasserkraftwerke sind ein weiteres Puzzleteil in der lokalen Stromversorgung. Mit der neuen Förderung setzen wir eine weitere Massnahme aus dem Energie- und Klimakonzept 2035 um. Ich hoffe sehr, dass die Wasserversorgungen ihre Möglichkeiten prüfen und in den kommenden Jahren weitere Anlagen realisieren."
Auch Branchenvertreter sehen den Entscheid positiv: Martin Bölli, Geschäftsleiter von Swiss Small Hydro, bezeichnete die Unterstützung als schweizweit einzigartig und als wichtiges Ergänzungsstück zu den bestehenden Förderinstrumenten.
Was das praktisch bedeutet
Für Betreiber von Trinkwasserversorgungen reduzieren sich die finanziellen Einstiegshürden für Untersuchungen erheblich. Gemeinden und Versorgungsbetriebe, die ein Projekt prüfen möchten, sollten folgende Schritte beachten:
- Abklärung des technischen Potenzials und Erstellung einer Machbarkeitsstudie
- Prüfung, ob die geplante Anlage die Voraussetzungen für kantonale Förderung erfüllt
- Bei positiver Prüfung: Beantragung von kantonaler Beteiligung sowie allfälliger Bundesförderungen bei Realisierung
Ausblick
Das Programm dürfte in den kommenden Jahren zusätzliche Prüfaufträge und Projektplanungen auslösen. Für Gemeinden und Betreiber bedeuten die kantonalen Beiträge eine konkrete finanzielle Entlastung in der frühen Projektphase. Ob und wie viele neue Trinkwasserkraftwerke realisiert werden, hängt neben der technischen Eignung auch von weiteren Genehmigungen, Wirtschaftlichkeitsrechnungen und lokalen Gegebenheiten ab.
| Parameter | Angabe |
|---|---|
| Kostendeckung durch Kanton | 60% der Prüf- und Projektierungskosten |
| Teilnehmende an Infoveranstaltung | 20 Vertreter der Obwaldner Wasserversorgungen |
| Bereits in Betrieb | 14 Trinkwasserkraftwerke im Kanton |