Neue Daten aus Langzeitstudie koppeln Sitzdauer an Krebssterblichkeit
Eine grosse Auswertung der britischen UK Biobank-Daten liefert klare Hinweise darauf, dass nicht nur die Gesamtbewegung, sondern vor allem die Länge einzelner Sitzphasen mit dem Risiko für Krebstodesfälle zusammenhängt. Forschende werteten Bewegungsdaten von mehr als 90'000 Erwachsenen aus, die je eine Woche lang einen Bewegungssensor am Handgelenk trugen. Die Messungen wurden mit nationalen Gesundheitsregistern verknüpft und über einen Zeitraum von bis zu 12 Jahren nachverfolgt.
Analysiert wurde nicht nur die Gesamtzeit im Sitzen, sondern auch, wie lange ununterbrochene Sitzphasen dauerten und wie häufig sie unterbrochen wurden. Das Ergebnis: Personen, die regelmässig länger als 30 Minuten am Stück sassen, hatten ein erhöhtes Risiko, später an Krebs zu sterben. Konkret stieg mit jeder zusätzlichen Stunde solcher längerer Sitzphasen das Risiko um etwa 10 Prozent.
"Unsere Daten zeigen, dass Sitzen von mehr als 30 Minuten am Stück mit einem besonders hohen Krebsrisiko verbunden ist. Die gute Nachricht ist: Schon kurze Spaziergänge während des Sitzens können schützend wirken", wird der Autor der Studie, Frederick Ho, im „Guardian“ zitiert.
Was die Ergebnisse bedeuten — und was nicht
Die Studie stärkt die Erkenntnis, dass Bewegungsmuster komplexer sind als die einfache Unterscheidung zwischen ‹aktiv› und ‹inaktiv›. Dem Forschungsdesign nach lässt sich zeigen, dass häufige Unterbrechungen längerer Sitzphasen unabhängig von der insgesamt gemessenen Aktivität mit besseren Ergebnissen verbunden sein können. Wichtig ist jedoch: Beobachtungsstudien können Zusammenhänge abbilden, aber keine endgültige kausale Beweisführung leisten. Weitere Forschung ist nötig, um biologische Mechanismen zu klären.
Konsequenzen für Alltag und Prävention
Die Studie legt nahe, dass Präventionsbotschaften ergänzend zu Sportempfehlungen auch das regelmäßige Aufstehen und kurzes Gehen während des Tages betonen sollten. Praktische Massnahmen können sein:
- Regelmässig, mindestens alle 30 Minuten, die Sitzposition unterbrechen;
- Kurzspaziergänge (z. B. Treppensteigen oder einen Gang durchs Büro) einbauen;
- Stehschreibtische oder Erinnerungs-Apps nutzen, um lange Sitzphasen zu vermeiden.
| Messgrösse | Wert |
|---|---|
| Teilnehmende | >90'000 |
| Messdauer Bewegungsdaten | 1 Woche |
| Nachverfolgung | 12 Jahre |
| Risikoerhöhung pro zusätzlicher Stunde ununterbrochenem Sitzen | ~10% |
Für Gesundheitsfachpersonen und Politik bedeutet das: Neben dem Fördern von Bewegung sollte die Reduktion langer, ununterbrochener Sitzphasen stärker in Präventionsstrategien integriert werden. Für Einzelne ist die Botschaft pragmatisch: Nicht nur wie viel, sondern auch wie man sitzt, könnte die Gesundheit beeinflussen.
Die Ergebnisse wurden im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlicht und stützen sich auf objektive Bewegungsmessungen statt ausschliesslich auf Selbstauskünfte, was die Aussagekraft der Beobachtungen erhöht. Weitere Studien sind erforderlich, um Interventionsstrategien und kausale Mechanismen zu bestätigen.