Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre Empfehlungen zur Corona-Auffrischimpfung angepasst: Gesunde Personen ab 75 Jahren sollen sich künftig jährlich im Spätsommer oder Frühherbst gegen Sars-CoV-2 impfen lassen. Damit hebt die Behörde die Altersgrenze gegenüber der bisherigen Empfehlung an, die eine Auffrischung für alle gesunden Erwachsenen ab 60 Jahren vorsah.
Warum die Änderung?
Als Begründung nennt die Stiko die veränderte Krankheitslast und Immunlage in der Bevölkerung. Seit dem Ende der Pandemie seien die Fallzahlen gesunken. In den zuletzt betrachteten Saisons seien schwere Verläufe und Todesfälle überwiegend bei Älteren zu verzeichnen. Konkret starben in der Saison 2025/2026 nach Stiko-Angaben 900 Menschen an Covid-19, wobei Betroffene über 75 Jahre die Hauptgruppe der Hospitalisierten und Todesfälle stellen.
Wer bleibt in der Empfehlung?
Die Stiko empfiehlt die jährliche Auffrischung nicht nur für Personen ab 75, sondern auch weiterhin für:
- Bewohnende von Pflegeeinrichtungen
- Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, etwa Diabetes, chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Fettleibigkeit
- Personen im medizinischen und pflegerischen Bereich unter bestimmten Einsatzbedingungen, beispielsweise auf Notaufnahmen oder Intensivstationen sowie in Pflegeeinrichtungen
Die Stiko betont, dass viele Menschen unter 75 ebenfalls zu den empfohlenen Gruppen gehören können, wenn sie entsprechende Vorerkrankungen haben.
„Es gibt keine ‚Empfehlungen zur Erlangung einer Basisimmunität‘ mehr“, schreibt die Stiko und verweist darauf, dass die meisten Erwachsenen bereits durch Impfungen und Infektionen eine gute Immunität besitzen.
Timing der Impfung
Neu ist zudem der präzisierte Zeitpunkt der jährlichen Auffrischung: Statt allgemein im Herbst empfiehlt die Stiko die Impfung im Spätsommer oder Frühherbst. Begründet wird dies damit, dass die jährliche Corona-Welle typischerweise zu dieser Zeit beginnt und die Schutzwirkung der Impfung mit der Zeit nachlässt.
| Gruppe | Stiko-Empfehlung |
|---|---|
| Gesunde Erwachsene ≥ 75 | Jährlicher Booster (Spätsommer/Frühherbst) |
| Gesunde Erwachsene 60–74 | Keine allgemeine Empfehlung mehr |
| Pflegeheimbewohnende / bestimmte Vorerkrankungen / exponiertes Personal | Jährlicher Booster empfohlen |
Die Stiko weist ausserdem darauf hin, dass durch Impfung und Erkrankungen inzwischen ein hoher Immunitätsgrad in der Bevölkerung besteht: Studien zeigten, dass mehr als 95 Prozent der Erwachsenen in Deutschland über eine gute Immunität verfügten.
Für die Praxis bedeutet die neue Empfehlung, dass Impfkampagnen und die Kommunikation an Risikogruppen angepasst werden müssen. Hausärztinnen und Hausärzte, Pflegeeinrichtungen sowie Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes stehen in der Verantwortung, besonders gefährdete Personen gezielt anzusprechen und den veränderten Zeitpunkt der Auffrischung zu berücksichtigen. Gleichzeitig kann die Änderung dazu führen, dass sich Menschen unter 75 ohne Risikofaktoren seltener impfen lassen — die Stiko betont jedoch, dass individuelle Risikokonstellationen weiterhin eine Rolle spielen.