Lehrstellenbilanz und die Kehrseite
Bis Anfang Juli wurden im Kanton Zürich mehr als 11 500 Lehrverträge unterzeichnet. Gleichzeitig sind noch rund 2 000 Ausbildungsplätze ausgeschrieben. Die Bildungsdirektion bezeichnet den Markt als «stabil». Tatsächlich aber trifft diese Einschätzung nicht alle Jugendlichen gleich: Während viele nach den Sommerferien ihre Ausbildung beginnen, bleiben andere weiterhin ohne Lehrstelle.
Ein Einzelfall steht exemplarisch
Ein 15-jähriger Sek-A-Schüler, der aus Angst um seine Chancen anonym bleiben will und hier Davide genannt wird, schildert die Situation als belastend: Er habe in den vergangenen Monaten «Dutzende von Bewerbungen» geschrieben und trotz «guten schulischen Leistungen» sowie positiven Schnupperberichten «Dutzende von Absagen» erhalten. Zum Teil hätten sich für einzelne Lehrstellen über 100 Jugendliche beworben. Davide hat mehr als 40 Motivationsschreiben verschickt und bleibt bislang ohne Zusage.
«Ich bin arbeitslos, bevor ich eine Lehrstelle habe. Das ist wirklich nicht angenehm»
Warum die Statistik die reale Lage nicht vollständig abbildet
Die gesamtstatistischen Werte — viele unterschriebene Lehrverträge einerseits, offene Stellen andererseits — verbergen Verwerfungen in einzelnen Berufsgruppen. Beliebte und kreative Berufe wie Mediamatiker ziehen viele Bewerbungen an; dadurch entstehen besonders hohe Konkurrenzsituationen. Jugendliche mit klaren Berufswünschen stossen so immer wieder an Engpässe, selbst wenn der Gesamtmarkt stabil erscheint.
Konsequenzen für Betroffene und Gemeinden
- Jugendliche ohne Lehrstelle stehen vor einer Phase wirtschaftlicher und psychischer Unsicherheit.
- Regionale Berufs- und Vermittlungsstellen sind stärker gefordert, individuelle Unterstützungsangebote zu koordinieren.
- Schulen und Elternhäuser müssen Bewerbungsprozesse und Alternativwege verstärkt vermitteln.
Praktische Hinweise
Betroffene Jugendliche und deren Familien können sich an die kantonalen Berufs- und Laufbahnberatungen wenden. Alternative Wege sind weitere Schnupperlehren, temporäre Arbeits- oder Praktikumsstellen in verwandten Bereichen sowie die Prüfung zusätzlicher Berufe, in denen weniger Konkurrenz besteht.
| Kennzahl | Stand |
|---|---|
| Unterschriebene Lehrverträge | über 11 500 |
| Derzeit ausgeschriebene Lehrstellen | etwa 2 000 |
Die Zahlen zeigen: Der kantonale Ausbildungsmarkt bietet viele Chancen, doch für einzelne Berufsprofile und für einzelne Jugendliche entstehen erhebliche Engpässe. Die Herausforderung besteht nun darin, die bestehenden Angebote so zu flexibilisieren und zu ergänzen, dass auch jene eine Perspektive erhalten, die bislang trotz intensiver Bewerbungstätigkeit abgewiesen werden.