Staatsanwaltschaft führt Befragungen fort
Die Untersuchungen zur verheerenden Brandkatastrophe im Nachtlokal «Le Constellation» in Crans‑Montana werden diese Woche mit weiteren Einvernahmen fortgesetzt. Die Walliser Staatsanwaltschaft lädt einen ehemaligen Vizepräsidenten der früheren Gemeinde Chermignon sowie den früheren Gemeindepräsidenten Jean‑Claude Savoy vor. Das Verfahren richtet sich gegen mehrere Beschuldigte wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Verursachung eines Brandes.
Die Einvernehmungen finden auf dem Campus Energypolis in Sitten statt. Der Ex‑Vizepräsident wird erstmals einvernommen; er stand 2015 der Feuerwehrkommission von Chermignon vor. Sein Vernehmen zielt darauf ab, Klärung über umfangreiche Umbauarbeiten zu bringen, die Jessica und Jacques Moretti rund zehn Jahre vor der Tragödie am Lokal vorgenommen hatten. Beim Brand in der Silvesternacht starben 41 überwiegend junge Menschen, 115 wurden zum Teil schwer verletzt.
Termine und frühere Schritte
Der ehemalige Gemeindepräsident Jean‑Claude Savoy wird diese Woche erneut vernommen. Zuvor hatte er am 13. Mai von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, nachdem ihm die Strafakten nicht zugänglich gewesen waren; die Anhörung war vorzeitig beendet worden. Zudem ist für Ende Juli die Einvernahme des früheren Sicherheitsbeauftragten von Chermignon geplant. Sein Termin wurde auf den 28. Juli gelegt, weil sein Anwalt verhindert war. Weiterhin sieht das Verfahren zusätzliche Vorwürfe gegen Einzelne: So muss sich Jessica Moretti seit der Anhörung vom 5. Juni zusätzlich wegen Urkundenfälschung verantworten.
- Aktuelle Einvernahmen: Ex‑Vizepräsident (erste Einvernahme), Jean‑Claude Savoy (zweite Einvernahme)
- Frühere relevante Daten: 13. Mai (vorzeitige Beendigung der Savoy‑Anhörung), 5. Juni (Anklage gegen Jessica Moretti wegen Urkundenfälschung)
- Geplante Anhörung: 28. Juli (ehemaliger Sicherheitsbeauftragter)
| Datum | Vorgang |
|---|---|
| 13. Mai | Vorzeitige Beendigung der Anhörung von Jean‑Claude Savoy |
| 5. Juni | Jessica Moretti zusätzlich wegen Urkundenfälschung belastet |
| 28. Juli | Geplante Einvernahme: ehemaliger Sicherheitsbeauftragter |
Bedeutung für Angehörige und Öffentlichkeit
Die Fortsetzung der Befragungen ist ein zentraler Schritt in einem Verfahren, das für viele Opfer und Angehörige noch nicht abgeschlossen ist. Jede Anhörung kann neue Erkenntnisse über die Umstände der massiven Umbauten am Lokal, die Sicherheitsvorkehrungen und mögliche Verantwortlichkeiten liefern. Für die Bevölkerung im Wallis hat das Verfahren eine doppelte Bedeutung: Es geht um strafrechtliche Klärung eines tragischen Ereignisses und um Lehren für Prävention und Sicherheitsauflagen in Veranstaltungsbetrieben.
Die Staatsanwaltschaft verfolgt ein umfassendes Vorgehen und lädt nacheinander Personen vor, die in unterschiedlichen Funktionen mit Entscheiden oder Kontrollen betraut waren. Die Ermittlungen betreffen vor allem die Frage, ob Sorgfaltspflichten verletzt wurden und ob diese Verstösse kausal für die tödlichen Folgen waren.
Für Betroffene und die Öffentlichkeit bleibt die Erwartung, dass die noch offenen Verfahrensschritte zu mehr Klarheit führen. Die kommenden Einvernahmen könnten sowohl neue Erkenntnisse bringen als auch den Weg für mögliche Anklagen oder Entlastungen einzelner Beschuldigter ebnen.