Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Leitlinien zur Vorbeugung von Demenz überarbeitet und rückt damit erneut den Lebensstil sowie umwelt- und versorgungsbezogene Faktoren in den Fokus. Nach WHO-Angaben leben weltweit rund 57 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung; die Zahl steigt. Die WHO schätzt, dass bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos auf veränderbare Faktoren zurückzuführen sein können.
Was die neuen Empfehlungen ändern
Im Vergleich zu früheren Empfehlungen betont die WHO verstärkt soziale Aktivität als Schutzfaktor. Aktivitäten mit anderen, etwa gemeinsames Lesen, Erzählen oder Gesellschaftsspiele, werden heute ausdrücklich empfohlen. Zudem werden kognitive Stimulationen wie Gehirntraining als sinnvoll eingestuft. Neu aufgenommen sind auch Hinweise auf den Nutzen von Hörgeräten bei Menschen mit Hörverlust: Dadurch lasse sich das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen vermindern.
- Bewegung: Regelmässige körperliche Aktivität wird sowohl zur Prävention als auch für Betroffene empfohlen.
- Soziale und geistige Aktivität: Teilnahme am sozialen Leben und kognitive Anregung gelten als Schutzfaktoren.
- Behandlung von Begleiterkrankungen: Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Schlafstörungen und Depressionen sollten konsequent behandelt werden.
- Hörversorgung: Hörgeräte können bei Hörverlust kognitive Probleme vorbeugen.
- Luftqualität: Saubere Luft und eine Reduktion von Feinstaub werden als positiv für das kognitive Risiko bewertet.
Was nicht empfohlen wird
Die WHO bleibt zurückhaltend gegenüber Nahrungsergänzungsmitteln. Ohne nachgewiesenen Mangel gebe es keine Hinweise, dass Vitamin-B‑Präparate, Vitamin E, Omega‑3‑Kapseln oder Multivitamine Demenz verhindern könnten. Damit wird die bisherige Position bestätigt: Supplemente sind kein Ersatz für eine gesunde Lebensweise oder eine gezielte Therapie bei Erkrankungen.
Konsequenzen für die Schweiz
Die Empfehlungen sind für die Schweiz unmittelbar relevant. Viele der genannten Risikofaktoren liegen in den Bereichen, in denen nationale Gesundheitsförderung und Präventionsprogramme bereits aktiv sind: Bewegungsförderung, kardiovaskuläre Prävention, Massnahmen gegen Luftverschmutzung und Gesundheitsangebote für ältere Menschen. Die stärkere Betonung sozialer Teilhabe und der Hörversorgung könnte dazu führen, dass Programme zur Förderung von Gemeinschaftsaktivitäten und der systematischen Hörversorgung älterer Menschen ausgebaut werden.
| Angabe | WHO-Angabe |
|---|---|
| Menschen mit Demenz weltweit | 57 Millionen |
| Anteil veränderbarer Risikofaktoren | bis zu 45% |
Die WHO weist darauf hin, dass Medikamente, die Demenz heilen, derzeit nicht verfügbar sind. Prävention und die Behandlung begleitender Erkrankungen bleiben zentrale Strategien, um die Zahl neuer Erkrankungen zu senken und die Lebensqualität Betroffener zu verbessern.
Für Fachleute und Entscheidungsträger bedeutet das: Präventionsmassnahmen müssen breit gedacht werden — nicht nur als individuelle Verhaltensänderung, sondern als Kombination aus medizinischen Angeboten, sozialer Teilhabe und umweltpolitischen Massnahmen, etwa zur Reduktion von Feinstaub. Für die breite Bevölkerung bleibt die Botschaft klar: Viele Aspekte, die das allgemeine Gesundheitsrisiko senken, wirken auch dem Demenzrisiko entgegen.