In einem ökumenischen Gespräch bringen Rita Famos und Simone Curau-Aepli Erfahrungen zusammen, die Leadership nicht als abstraktes Managementkonzept, sondern als gelebte Praxis beschreiben. Beide Frauen sprechen von Verantwortung, von Erwartungen – und von einem immer noch bestehenden Rollenerwartungsdruck, der Frauen in Führungsrollen anders wahrnimmt als Männer.
Leadership als Verantwortungsrolle und Beziehungspraxis
Die Debatte beginnt mit einer alltäglichen Beobachtung: Führung entsteht oft aus Handlung, nicht aus Selbstbezeichnung. Rita Famos erinnert daran, dass sie schon früh Verantwortung übernommen habe – zuerst im Pfarramt, später als Dekanin. Für sie bedeutet Leadership, „eine Gruppe von Menschen mitzunehmen in ein Feld hinein, um es miteinander zu gestalten. Eine Vision haben.“ Damit verlagert sich der Fokus weg vom Titel hin zur gemeinsamen Gestaltung von Zielen und Prozessen.
Simone Curau-Aepli beschreibt Leadership knapp und nüchtern als „Führungsverantwortung“. Ihre Biografie macht einen weiteren Punkt deutlich: Legitimation muss von der Basis kommen. Sie betont die Bedeutung der Beauftragung von unten – Führung, so ihre Erfahrung, entsteht nicht durch Selbsternennung, sondern durch ein Mandat, das Menschen ihr geben.
„Grüezi Fräulein, ist der Chef da?“
Dieses konkrete Erlebnis aus Curau-Aeplis Alltag in einer gemeinsam geführten Baufirma illustriert ein gesellschaftliches Problem: Die automatische Zuschreibung von Autorität an Männer. Solche Momente sind mehr als Anekdote; sie machen sichtbar, wie kulturelle Erwartungen den Zugang zu Führung erschweren können.
Was die beiden Frauen unterscheidet – und verbindet
Ob aus kirchlichem Kontext oder aus Wirtschaft und Verbandstätigkeit: Beide Gesprächspartnerinnen bringen unterschiedliche Formen von Leadership ein. Gemeinsamkeit ist die Betonung von Relation und Legitimation – Leadership ist eine Praxis, die Anerkennung und Vertrauen voraussetzt.
- Verantwortung: Leadership bedeutet aktiv Verantwortung übernehmen.
- Beziehung: Führung ist eine Beziehungspraktik, die Menschen mitnimmt.
- Legitimation: Führung entsteht durch Beauftragung, nicht allein durch Titel.
| Sprecherin | Kernaussage zum Leadership |
|---|---|
| Rita Famos | Leadership als Vision und gemeinsame Gestaltung |
| Simone Curau-Aepli | Leadership als Führungsverantwortung; Legitimation von unten |
Das Gespräch bringt damit eine nüchterne und zugleich normative Einsicht: Fragen nach Macht und Gleichstellung lassen sich nicht allein auf Trainings oder Instrumente reduzieren. Sie berühren Haltungen, Alltagsbeobachtungen und die Frage, wie Gesellschaft Autorität verteilt und anerkennt. Für Organisationen und Kirchen, aber auch für Unternehmen bleibt die Herausforderung, Strukturen so zu gestalten, dass Legitimation sichtbar wird und Frauen in Führungsrollen nicht durch stereotype Erwartungen ausgegrenzt werden.
Solche Dialoge sind wichtig, weil sie konkrete Erfahrungen mit theoretischen Begriffen verknüpfen. Sie zeigen, dass Leadership im Alltag entsteht – und dass die Anerkennung dafür oft einen längeren Weg braucht.