Premiere offenbarte Vielfalt – jedoch geringe Resonanz
Die erste Wirtschaftsnacht in Bern und Ostermundigen am 5. Juni erlaubte Einblicke in Produktion, Dienstleistung, Handwerk und Ausbildung. Rund 30 Unternehmen und Organisationen öffneten ihre Türen und zeigten vor Ort, wie Arbeitsplätze, Lehrstellen und Wertschöpfung in der Region entstehen. Trotz dieser Bandbreite blieb die Besucherzahl deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Ursachen: Desinteresse, fehlende Sichtbarkeit oder beides?
Als mögliche Erklärungen werden in der Nachbetrachtung mehrere Faktoren diskutiert: Wirtschaft sei für viele Menschen abstrakt geworden, heisst es. Zwar werden Themen wie Preise, Löhne, Fachkräftemangel oder Verkehr breit diskutiert – konkrete Einblicke in den Alltag regionaler Betriebe dagegen fehlen oft. Ebenso spielen Lage und Wahrnehmung von Industrie- und Gewerbegebieten eine Rolle; diese Areale liegen häufig aus dem Blickfeld oder werden negativ assoziiert (Verkehr, Emissionen).
- Datum: 5. Juni
- Teilnehmende: rund 30 Unternehmen und Organisationen
- Orte: Bern und Ostermundigen
Warum Sichtbarkeit wichtig ist
Die Veranstaltung machte deutlich: Wo Produktion, Planung oder Entwicklung stattfinden, entstehen Lehrstellen und Arbeitsplätze sowie ein Beitrag zur regionalen Stabilität. Diese Leistungen bleiben jedoch oft unsichtbar — wer an Industriearealen vorbeifährt, sieht meist nur Hallen und Logos, nicht aber die Menschen und die Tätigkeiten dahinter. Vertrauen in die lokale Wirtschaft entsteht laut Veranstaltern durch direkte Begegnungen, offene Türen und persönliche Gespräche.
Folgen für die Bevölkerung des Kantons
Für die Bevölkerung heisst das konkret: Ohne bessere Informationen und Austauschmöglichkeiten droht eine Entkoppelung zwischen Bürgerinnen und Bürgern und den Unternehmen, die vor Ort Arbeitsplätze bieten. Das kann Auswirkungen haben auf die Nachwuchsgewinnung für Lehrstellen, auf die Akzeptanz von betrieblichen Erweiterungen oder auf lokale Verkehrs- und Infrastrukturdebatten.
Ausblick und Empfehlungen
Die Organisatoren und Beobachter sehen in der Premiere keinen Misserfolg, sondern den Startpunkt für weitere Aktivitäten. Gefordert sind:
- Mehrere, wiederkehrende Formate statt einer einzelnen Veranstaltung, um Vertrauen aufzubauen.
- Gezielte Öffentlichkeitsarbeit, die nicht nur betriebswirtschaftliche Zahlen, sondern Menschen und konkrete Tätigkeiten zeigt.
- Veranstaltungsorte in westlichen Stadtteilen wie Bümpliz, Bethlehem oder Ausserholligen, um unterschiedliche Quartiere zu erreichen und Hemmschwellen abzubauen.
| Aspekt | Ausgangslage |
|---|---|
| Teilnehmerzahl von Betrieben | ~30 Unternehmen/Organisationen |
| Besucherresonanz | niedriger als erwartet |
| Ziel | Mehr Sichtbarkeit und Vertrauen durch Begegnung |
Die Erfahrung der Wirtschaftsnacht sollte als Lernchance dienen: Öffentliche Veranstaltungen, die konkret zeigen, wie und wo in der Region Wert geschaffen wird, können die Wahrnehmung verbessern und soziale Akzeptanz stärken. Ob dies gelingt, hängt allerdings von Kontinuität, zielgerichteter Ansprache verschiedener Bevölkerungsgruppen und der Platzierung weiterer Anlässe in unterschiedlichen Quartieren ab.