Kurze Chronologie der Nacht
Am 25. Mai 2013 zogen über 10'000 Menschen als Teil der Partydemo «Tanz dich frei» durch die Berner Innenstadt. Zunächst verlief der unbewilligte Umzug friedlich; nach Angaben aus Augenzeugenberichten und Polizeiquellen blieben die weitgehend musikalisch geprägten Kundgebungsteilnehmenden bis kurz vor Mitternacht ohne Gewalttaten.
Wie die Situation kippte
An der Spitze des Demozugs befanden sich nach Beobachtungen rund 70 vermummte Personen, die eine Absperrung zum Bundeshaus durchbrachen. Dabei kam es zu Angriffen auf die Polizei: Laut Berichten wurden Absperrgitter, Pflastersteine und Signalraketen gegen Sicherheitskräfte geworfen. Der damalige Sicherheitsdirektor Reto Nause charakterisierte den Angriff als „Sturm aufs Bundeshaus“.
Polizeiliches Eingreifen und Folgen
Nachdem direkte Appelle ins Leere gelaufen waren, setzte die Polizei mehrere Zwangsmittel ein: Gummischrot, Tränengas und ein Wasserwerfer kamen zum Einsatz. Die Auseinandersetzungen dauerten bis in die frühen Morgenstunden an und wurden in der Innenstadt als regelrechte Strassenschlachten beschrieben.
- Festnahmen: 61
- Verletzte: Über 50
- Direkter Sachschaden: Mehr als 2 Millionen Franken
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Teilnehmende an der Demo | >10'000 |
| Vermummte an vorderster Front | ~70 |
| Festnahmen | 61 |
| Verletzte | >50 |
| Geschätzter Schaden | >2 Millionen Franken |
„Der Sturm aufs Bundeshaus“, wie der damalige Sicherheitsdirektor Reto Nause den Angriff der Chaoten nannte.
Bedeutung für Bern und offene Fragen
Die Nacht markiert einen Einschnitt: Neben der materiellen Schadensbilanz war die Frage zentral, warum die Polizei die unbewilligte Kundgebung nicht bereits früher auflöste oder stärker überwachte. Die Ereignisse lösten politische Debatten über Versammlungsfreiheit, polizeiliche Eingriffsmöglichkeiten und die kulturelle Lage des Berner Nachtlebens aus. Für Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt waren die Folgen spürbar — von beschädigter Innenstadtinfrastruktur bis hin zu anhaltenden Diskussionen über öffentliche Freiräume.
Langfristige Auswirkungen auf Nightlife und Stadtpolitik
Die Eskalation führte zu Veränderungen in der Praxis von Bewilligungen und Risikobewertungen bei grossen, unbewilligten Anlässen. Sie war zudem Auslöser für eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld zwischen selbstorganisierten Kulturformen und dem Schutz der öffentlichen Ordnung. Wie viel vom ursprünglichen «Tanz dich frei»-Geist heute noch im Berner Nachtleben vorherrscht, war Gegenstand nachfolgender Reflexionen in Politik und Kultur — die Debatte über Freiräume für junge Kulturakteure blieb erhalten.
Was für die Bevölkerung wichtig ist
Für Einwohnerinnen und Einwohner von Bern bleibt relevant, wie die Stadt und die Polizei künftig Grossanlässe und spontane Demos handhaben: transparentere Entscheidungsprozesse bei Bewilligungen, klare Kommunikationswege und ein Abwägen von Sicherheitsinteressen und ziviler Teilhabe. Die Erinnerung an die Nacht von 2013 sollte als Ausgangspunkt dienen, Lehren für Prävention, Schutz von Eigentum und die Wahrung demokratischer Rechte zu ziehen.