Vom Kinderraub zur Selbständigkeit in Wabern
Der 1997 geborene Afghane Eni Yousuf hat in jungen Jahren Gewalt und Entbehrung erlebt: Als Neunjähriger wurde er 2006 von den Taliban verschleppt und in Arbeitslagern festgehalten. Dort musste er Zwangsarbeit verrichten, zunächst als Teppichknüpfer, später als Minenarbeiter. Sieben Jahre lang war er dadurch von seiner Familie getrennt.
„dass der Spuk in kurzer Zeit vorbei“
Die Flucht gelang ihm schliesslich 2015; über Iran, Türkei und die Balkanroute kam er nach Europa und in die Schweiz. In Bern fand er eine neue Perspektive: Sprachkenntnisse, Arbeit und letztelich die Eröffnung eines eigenen Restaurants.
Das Restaurant «Zamarod» in Wabern
In seinem Lokal in Wabern bietet Yousuf traditionelle Gerichte wie Bolani, Borani Banjan und Kabuli an. Das Restaurant ist vor rund zwei Jahren eröffnet worden und steht für die Verwirklichung eines persönlichen Traums nach einer langen Odyssee. Gäste loben die herzliche Begrüssung und die sprachliche Mischung aus Hoch- und Berndeutsch, mit der der Gastgeber seine Kundschaft empfängt.
Kontext und Bedeutung für die Region
Diese Biografie berührt mehrere Ebenen: Sie ist einerseits ein individuelles Schicksal — das eines jungen Hazara, der schwere Menschenrechtsverletzungen erlebte. Andererseits ist sie ein Beispiel erfolgreicher Integration in der Region Bern: Arbeitsaufnahme, Sprachkompetenz und selbständige Unternehmung sind Faktoren, die auch für die lokale Wirtschaft und das kulturelle Angebot relevant sind.
- Persönliche Resilienz: Trotz traumatischer Kindheitsjahre gelang der Aufbau eines eigenständigen Lebens.
- Lokale Kultur: Das Restaurant erweitert das kulinarische Angebot in Wabern und fördert interkulturellen Austausch.
- Soziale Integration: Sprachkenntnisse und wirtschaftliche Selbständigkeit sind Indikatoren gelungener Eingliederung.
Zeitleiste
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1997 | Geburt im Sanglakh-Tal |
| 2006 | Entführung durch die Taliban (Alter: neun Jahre) |
| 2006–ca. 2013 | Inhaftiert in Zwangsarbeitslagern (sieben Jahre) |
| 2015 | Flucht in die Schweiz |
| Ca. 2024 | Eröffnung des Restaurants «Zamarod» in Wabern |
Seine Lebensgeschichte hat Eni Yousuf mit Unterstützung dokumentiert: In Zusammenarbeit mit seiner Partnerin Tamara Grossen ist ein Buch entstanden, das die Stationen seines Weges reflektiert. Für die Bevölkerung im Kanton Bern zeigt dieses Beispiel, wie Flüchtlinge nach traumatischen Erfahrungen Beiträge zur Ortsgemeinschaft leisten können — wirtschaftlich, kulturell und sozial.
Für Interessierte bietet der Besuch im Restaurant nicht nur kulinarische Abwechslung, sondern auch die Möglichkeit, ein Stück Zeitgeschichte und die Geschichte einer erfolgreichen Neuorientierung in der Region kennenzulernen.