Ein Andenken, das nicht tröstet
Der Angriff im Olympia-Einkaufszentrum bleibt auch ein Jahrzehnt später für viele Angehörige präsent. Für Sibel und Hasan Leyla hat der Verlust ihres Sohnes Can eine Lücke gerissen, die nicht zu schliessen ist: "Für euch sind es zehn Jahre. Für uns ist es wie gestern", sagen sie. Das Denkmal am Ort des Geschehens, ein grosser Metallring mit Fotos und Namen der Opfer, empfindet die Familie nicht als angemessen.
Was die Angehörigen fordern
Wichtig ist den Eltern mehr als nur eine formale Erinnerung: Sie wünschen sich eine Tafel mit Informationen, bessere Sichtbarkeit und ein «fröhlicheres» Erscheinungsbild des Mahnmals, das altersgerecht an Jugendliche erinnern soll. Aus ihrer Perspektive wurde das Denkmal zu schnell errichtet, ohne genügend Mitbestimmung der Betroffenen.
"Solange ich lebe, werde ich für dich kämpfen. Wenn das sogar mein Leben kostet", sagt Hasan Leyla über sein Versprechen an den getöteten Sohn.
Diese Worte fassen zusammen, warum die Familie weiterhin beharrlich Aufklärung und Gerechtigkeit verlangt. Die emotionale Belastung ist allgegenwärtig; der Einsatz für Erinnerungsarbeit ist zu einem Teil ihres täglichen Lebens geworden.
Zeitleiste der Erinnerung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2016 | Anschlag im Olympia-Einkaufszentrum (vor zehn Jahren) |
| 2017 | Errichtung des Metallrings als Denkmal |
| 2020 | Korrektur der Inschrift: "Amoklauf" zu "rassistisches Attentat" |
Folgen für die Erinnerungskultur
Der Fall wirft Fragen auf, die über Einzelschicksale hinausgehen: Wie soll Gesellschaft mit traumatischen Ereignissen umgehen, die Jugendliche betreffen? Wie viel Mitspracherecht haben Betroffene bei der Gestaltung des öffentlichen Gedenkens? Und in welchem Mass verändert die Form des Mahnmals die Wahrnehmung der Tat in der Öffentlichkeit?
- Die Angehörigen fordern mehr Partizipation bei der Gestaltung von Gedenkorten.
- Beschriftungen und Darstellungen werden als Ausdruck politischer Einordnung wahrgenommen.
- Die andauernde Trauer zeigt den Bedarf an langfristiger Unterstützung für Betroffene.
Für die Leylas ist der Kampf um ein passenderes Denkmal «ihr nächster Kampf». Die Forderung geht über ästhetische Fragen hinaus: Es geht um Würdigung, Sichtbarkeit und die anhaltende Auseinandersetzung mit Ursachen wie Rassismus. Solange die Betroffenen diese Lücken benennen, bleibt die Erinnerung nicht nur Aufgabe des Staates oder der Gesellschaft — sie ist ein aktiver Prozess, getragen von denen, die unmittelbar betroffen sind.