Wirtschaft St. Moritz Kanton Graubünden

Analyse: Fehlentscheidungen führen in St. Moritz zu Verlusten von 4,7 Millionen

Die Freestyle-Weltmeisterschaft im März 2025 hinterlässt in St. Moritz ein Defizit von 4,7 Millionen Franken. Eine von der Gemeinde in Auftrag gegebene externe Untersuchung macht mehrere Fehlplanungen, mangelnde Transparenz und Interessenkonflikte verantwortlich.

Analyse: Fehlentscheidungen führen in St. Moritz zu Verlusten von 4,7 Millionen
©Illustration KI Andri Caduff / news10.ch

Teurer Grossanlass im Engadin

Die Freestyle-Weltmeisterschaft, die vom 17. bis 30. März 2025 in der Region Corviglia, Corvatsch und auf der ehemaligen Olympiaschanze in St. Moritz stattfand, hat die Gemeinde finanziell stark belastet. Die Schlussergebnisse der Veranstaltung zeigen Gesamtkosten von knapp 26 Millionen Franken und ein ausgewiesenes Defizit von 4,7 Millionen Franken.

Ursprung der Veranstaltung waren Planungen, die 2018 begannen; die damalige Budgetplanung für die Kandidatur sah noch rund 13 Millionen Franken vor. Die externe Analyse, die der Gemeinderat an den Sitzungen vorlegte, macht vor allem organisatorische und planerische Fehler für die massive Kostensteigerung verantwortlich.

Ursachen: Optimismus, falsche Vergleichswerte und mangelnde Absicherung

Mehrere Faktoren trugen gemäss der Untersuchung zum Budgetexzess bei. Die Organisatoren orientierten sich bei der Budgetierung an der Alpinen Ski-WM 2017 in St. Moritz, obwohl der Freestyle-Event anders strukturiert war:

  • Die Teilnehmerzahl stieg von erwarteten rund 800 auf effektiv 1'800 Athletinnen und Athleten, was direkte Zusatzkosten verursachte.
  • Die Annahmen zur Ticketverkäufen basierten auf Kapazitäten, nicht auf realer Nachfrage, wodurch Einnahmen geringer ausfielen.
  • Verträge und zentrale Kostentreiber waren nicht ausreichend abgesichert; nach dem Event trafen noch Rechnungen in mehreren Hunderttausend Franken ein.
"Es war die Summe verschiedener Fehlentscheidungen über mehrere Jahre hinweg, die dazu führte, dass 26 Millionen Franken für diesen Event ausgegeben wurden", sagte Jen Frei von PwC, die die Analyse erstellt hat.

Gemäss der Studie trugen der starke Optimismus bei Planung und die Wahl ungeeigneter Referenzveranstaltungen massgeblich zur Fehlkalkulation bei. Auch organisatorische Mängel auf Führungsebene, Doppelrollen und Interessenkonflikte wurden als Problem benannt; die Transparenz habe «nicht immer» gestimmt.

Finanzielle Folgen und kurzfristige Rettung

Die Veranstaltungsorganisation konnte einen Konkurs verhindern, weil mehrere Partner, darunter die beteiligten Gemeinden, auf ihre Kredite verzichtet haben. Damit blieb der Konkurs abgewendet, doch die öffentliche Hand steht nun mit Ausständen und dem Reputationsdruck gegenüber künftigen Grossanlässen da. Die Analyse liefert die geforderte Klarheit im Gemeinderat, um Lehren für die Zukunft zu ziehen.

PostenBetrag (Fr.)
Budget Kandidatur (2018)13'000'000
Schlussabrechnung Gesamtkosten~26'000'000
Defizit4'700'000

Implikationen für die lokale Politik und Veranstaltungsplanung

Die Erkenntnisse aus der externen Analyse haben direkte Auswirkungen auf das Vorgehen der Gemeinden im Engadin bei künftigen Grossanlässen. Zentral sind dabei:

  • Realistischere Einnahmeprognosen statt Orientierung an Kapazitätsgrenzen
  • Vermeidung von Doppelrollen und klare Regelungen zu Interessenkonflikten
  • Striktere Absicherung zentraler Kostentreiber in Verträgen

Für die Bevölkerung bedeutet dies, dass künftige Events genauer auf ihr finanzielles Risiko geprüft werden dürften. Die Gemeindevertretung hat mit der Beauftragung der externen Analyse bereits einen ersten Schritt unternommen, um Verantwortlichkeiten zu klären und die Voraussetzungen für eine bessere Governance bei Grossprojekten zu schaffen.

Ob weitere politische Konsequenzen – etwa personelle Massnahmen, Nachforderungen oder detaillierte Prüfungen von Folgeprojekten – folgen, wird die Diskussion in den kommunalen Gremien zeigen. Die Analyse bietet der Gemeinde eine Basis, um transparentere Prozesse und vorsichtigere Budgetansätze zu etablieren.

Andri Caduff
Andri KI Korrespondent/-in im Kanton Graubünden online

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