Robustes Wachstum — aber mit Vorbehalt
Der Kanton Bern verzeichnet nach Angaben des Swiss-REco-Index im Mai ein reales Wirtschaftswachstum von rund 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen deuten auf einen starken Jahresauftakt hin, doch lokale Wirtschaftsvertreter mahnen zur Vorsicht: Das aktuelle Plus sei zum Teil ein statistischer Basiseffekt und beruhe auf wenigen Wachstumstreibern.
Wesentliche Treiber und Schwachstellen
Das Wirtschaftsupdate des Handels- und Industrievereins des Kantons Bern (HIV) benennt die wichtigsten Einflussfaktoren: Positiv wirkten vor allem der Aussenhandel und ein deutlicher Anstieg des Staatskonsums. Demgegenüber entwickelten sich der inländische Konsum und die Investitionen nur verhalten. Diese Differenzierung macht die strukturelle Verwundbarkeit der Konjunktur sichtbar.
- Aussenhandel: Wesentlicher Wachstumstreiber.
- Staatskonsum: Temporär stützender Effekt auf das BIP.
- Inländischer Konsum: Schwaches Wachstum belastet die Binnenwirtschaft.
- Investitionen: Zurückhaltend, was die zukünftige Produktionskapazität bremst.
„Die positive Wachstumszahl darf nicht als Entwarnung missverstanden werden,« warnt der Handels- und Industrieverein des Kantons Bern.
Externe Risiken und Erwartungen
Der Bericht hebt ausserdem hervor, dass geopolitische Spannungen die Lage zusätzlich belasten können. Namentlich werden Folgen des Irankonflikts und die zeitweilige Sperrung der Strasse von Hormus genannt, deren Auswirkungen auf Energiepreise und Lieferketten noch nicht vollumfänglich in den Daten sichtbar sind. In der Folge haben Unternehmen ihre Erwartungen für die zweite Jahreshälfte merklich nach unten korrigiert.
| Indikator | Beobachtung |
|---|---|
| Wachstum (Mai, YoY) | ~3 % |
| Haupttreiber | Aussenhandel, Staatskonsum |
| Schwache Bereiche | Inländischer Konsum, Investitionen |
Was das für Bevölkerung und Firmen im Kanton bedeutet
Für Unternehmen heisst das: Wer von Exportmärkten profitiert, erlebt derzeit Rückenwind; simultan bleiben Firmen, die stark vom Binnenkonsum oder von Investitionen abhängen, unter Druck. Für Angestellte kann ein anhaltend schwacher Konsum bedeuten, dass Branchen mit starker Verbrauchernähe weniger Stellen schaffen oder Stellenaufbau abbremsen. Die öffentliche Hand wiederum hat durch erhöhten Staatskonsum kurzfristig gestützte Einnahmen- und Ausgabepositionen, steht aber bei neuen Schocks ebenfalls unter Druck.
Kurzfristig sollten sich Betriebe auf volatile Rahmenbedingungen einstellen: Liquiditätsplanung und flexible Beschaffungsstrategien gewinnen an Bedeutung. Für die Bevölkerung ist es ratsam, bei grösseren Anschaffungen die Lage zu beobachten und sich über Förder- oder Beratungsangebote für Unternehmen zu informieren.
Insgesamt bleibt die Lage im Kanton Bern gemessen an den aktuellen Zahlen zwar positiv, doch die Korrektur der Erwartungen und die enge Basis des Wachstums deuten darauf hin, dass die nächste Zeit eher von Unsicherheit als von stabiler Erholung geprägt sein dürfte.