Körperliche Aktivität wirkt weit über die Muskeln hinaus: Sie beeinflusst Stoffwechsel, Immunsystem, Entzündungsprozesse und hormonelle Regelkreise. Das macht Bewegung nicht nur für Prävention, sondern auch als begleitende Massnahme bei Krebs relevant. Eine 2025 veröffentlichte Beobachtungsstudie mit rund 28'000 Teilnehmenden mit Krebs im frühen Stadium (Stadium 1) legt nahe, dass schon geringe körperliche Betätigung vor der Diagnose mit einem günstigeren Verlauf verbunden ist.
Weniger Fortschreiten durch geringe Aktivität
Die Forschenden untersuchten, wie aktiv Betroffene im Jahr vor der Diagnose gewesen waren. Die Auswertung beruhte auf Daten aus Fitnessgeräten, Studioaufzeichnungen und der Teilnahme an Sportveranstaltungen. Die Teilnehmenden wurden in drei Gruppen eingeteilt:
- keine sportliche Aktivität,
- weniger als eine Stunde pro Woche,
- mindestens eine Stunde pro Woche.
Im Vergleich zur inaktiven Gruppe zeigte die Kategorie mit unter einer Stunde Bewegung pro Woche ein um 16 Prozent geringeres Risiko für ein Fortschreiten der Krankheit. Bei jener Gruppe, die mindestens eine Stunde pro Woche aktiv war, fiel das Risiko noch stärker aus und lag um 27 Prozent niedriger.
Was die Zahlen bedeuten — und was nicht
Diese Resultate deuten darauf hin, dass bereits moderates, regelmässiges Bewegen positive Auswirkungen auf den späteren Verlauf von Krebs haben kann. Wichtig ist die Einordnung: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die Zusammenhänge aufzeigt, aber keine Ursache-Wirkungs-Beweise liefert. Solche Analysen können durch unbeachtete Faktoren beeinflusst sein — etwa Unterschiede in Ernährung, Vorerkrankungen oder sozioökonomischen Ressourcen.
Konsequenzen für Versorgung und Alltag
Für die klinische Praxis und die öffentliche Gesundheitspolitik sind die Befunde dennoch relevant. Sie unterstützen die wachsende Perspektive, Bewegung systematisch als Teil der onkologischen Begleittherapie und der Nachsorge zu fördern. Schon geringe, realistische Aktivitäten wie Spazierengehen, Radfahren oder Treppensteigen könnten nach dieser Studie einen messbaren Beitrag leisten.
| Aktivitätslevel (vor Diagnose) | Relatives Risiko für Krankheitsfortschritt |
|---|---|
| Keine Aktivität | Referenz |
| < 1 Stunde/Woche | -16 % |
| ≥ 1 Stunde/Woche | -27 % |
Aus ärztlicher Sicht bedeutet das nicht, dass Sport Medikamente oder Therapien ersetzen kann. Vielmehr unterstreicht die Studie, dass körperliche Aktivität eine ergänzende Rolle spielt, die Stoffwechsel, Immunabwehr und allgemeine Belastbarkeit günstig beeinflussen kann. Die Herausforderung besteht darin, Menschen so zu unterstützen, dass Bewegung im Alltag möglich und dauerhaft bleibt.
Für Betroffene, Angehörige und Versorgende empfiehlt sich eine sorgfältige, individualisierte Beratung: Welche Aktivitäten sind alters- und krankheitsgerecht? Wie lassen sie sich in den Alltag integrieren? Solche Fragen sollten medizinisch begleitet beantwortet werden, damit Bewegung sicher und wirksam Teil der onkologischen Betreuung wird.