Glücksspielwerbung als gesundheitspolitisches Problem
Der Psychologe und Leiter der Arbeitseinheit Glücksspielforschung an der Universität Bremen, Tobias Hayer, hat ein umfassendes Werbeverbot für Sportwetten gefordert. In einem Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur bezeichnete er die gegenwärtige Präsenz der Anbieter insbesondere während grosser Sportereignisse als beunruhigend. Hayer weist darauf hin, dass solche Werbeauftritte vor allem verletzliche Bevölkerungsgruppen betreffen können.
Die Debatte verortet Hayer in einem breiteren gesundheitspolitischen Kontext: Während Werbung für Cannabis heute untersagt sei und für Tabak bereits weitreichende Einschränkungen gelten, nehme auch die Diskussion um Alkoholwerbung an Fahrt auf. Vor diesem Hintergrund stellt er die Frage, warum es für Glücksspiele weiterhin eine breite Werbefreiheit geben sollte.
„Man brauche keine Werbung für Suchtmittel.“
Als konkretes Beispiel nennt Hayer die Präsenz von Glücksspielwerbung an einem typischen Fußball-Bundesliga-Spieltag. Nach seinen Angaben mache Glücksspielwerbung etwa ein Drittel der gesamten Werbezeit aus. Diese Zahl dient in seiner Darstellung als Indikator für die Durchdringung des öffentlichen Raums durch Angebote, die Suchtverhalten fördern können.
Folgen für Politik und Mediennutzung
Die Forderung nach einem Werbeverbot wirft mehrere Fragen auf: Wie weit soll Regulierung greifen, um vulnerable Gruppen zu schützen, ohne dabei rechtliche Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Interessen unberücksichtigt zu lassen? Welche Rolle spielen mediaübergreifende Regeln (TV, Online, Sponsoring) und wie lassen sich Ausweichstrategien der Anbieter verhindern? Hayer zieht einen Vergleich zu bestehenden Regeln für Drogen und Genussmittel, um die Einordnung von Glücksspielwerbung als gesundheitsrelevantes Thema zu unterstreichen.
Für Beobachter und Entscheidungsträger bedeutet dies, regulatorische Lücken zu prüfen und abzuwägen, ob Beschränkungen in der Werbung wirksame Präventionsinstrumente sind. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche begleitenden Massnahmen — etwa Forschung, Aufklärung und Hilfsangebote — notwendig wären, um die Wirkung eines möglichen Werbeverbots auf Suchtprävention und Marktstrukturen zu beurteilen.
- Präsenz: Glücksspielwerbung ist besonders während Sportübertragungen stark vertreten.
- Vergleich: Hayer sieht Parallelen zu Tabak- und Cannabis-Regulierungen.
- Schutzbedarf: Verletzliche Gruppen stehen im Fokus der Begründung für ein Werbeverbot.
Daten in Kürze
| Thema | Angabe (laut Hayer) |
|---|---|
| Anteil Glücksspielwerbung an Werbezeit (Fußball-Bundesliga-Spieltag) | etwa ein Drittel |
Die Forderung von Tobias Hayer reiht sich in frühere Äusserungen von Experten ein, die Werbung für Glücksspiele kritisch sehen. Ob und in welchem Umfang die Politik auf diese Argumente reagiert, wird sich an weiteren Prüfungen und öffentlichen Debatten zeigen. Für die Gesundheitsberichterstattung bleibt relevant, wie Regulierungen gestaltet werden, damit Prävention, Verbraucherschutz und medizinische Hilfe im Zentrum stehen können.
Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung basiert auf einem Gespräch, das am 15.07.2026 in einem Radioprogramm verbreitet wurde und die Aussagen des genannten Forschers wiedergibt.