Industrie auf Rekrutierungstour zwischen Beats und Moshpits
Das Openair Frauenfeld diente dieses Jahr nicht nur als Musikbühne: Vertreterinnen und Vertreter aus der Schweizer Tech- und der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) suchten gezielt das Gespräch mit Jugendlichen. Hintergrund ist der anhaltende Fachkräftemangel in diesen Branchen; der Dachverband Swissmem präsentierte sich gemeinsam mit Firmen vor Ort.
Das Festival löste mit seinen Konzerten eine grosse Anziehungskraft aus: Auf der Allmend versammelten sich laut Berichten rund 100'000 Besucherinnen und Besucher, provisorisch nannten die Organisatoren sogar 105'000. Diese Ballung junger Lebensenergie bot Unternehmen eine seltene Gelegenheit, auf Nachwuchswerbung mit niedrigschwelligen, interaktiven Angeboten zu setzen.
Praktische Anreize statt Prospekte
Am Stand der MEM-Industrie war das Angebot bewusst praktisch: Die Hauptattraktion war ein Rennen mit ferngesteuerten Autos. Festivalbesucher traten direkt gegeneinander an und gegen rund 60 Lernende aus vier Schweizer Industriebetrieben. Entscheidend ist, dass die Rennwagen von den Lernenden in den vergangenen Monaten vollständig selbstgebaut wurden — ein exaktes Beispiel für handwerkliche und technische Kompetenz, die Firmen sichtbar machen wollten.
"Beats, Bass und Berufung"
Diese Kombination aus Unterhaltung und Berufsorientierung sollte Hemmschwellen abbauen und Jugendliche an technische Berufe heranführen. Statt klassischer Berufsberatung setzten die Ausstellenden auf spielerische Formate, die technische Fähigkeiten erlebbar machen.
- Attraktion: Rennen mit ferngesteuerten, von Lernenden gebauten Autos
- Beteiligte: MEM-Branche im Auftrag von Swissmem; mehrere Industriebetriebe mit Lernenden
- Reichweite: Festival mit rund 100'000 bis 105'000 Besuchern
Konsequenzen für Frauenfeld und die Region
Für die Region hat diese Rekrutierungsstrategie mehrere praktische Auswirkungen: Erstens entsteht ein zusätzlicher Kanal, um Jugendliche vor Ort frühzeitig auf Lehr- und Ausbildungswege in technischen Berufen aufmerksam zu machen. Das kann mittelfristig helfen, Engpässe auf dem lokalen Lehrstellenmarkt zu mindern. Zweitens erhöhen sichtbare Präsenz und praktische Demonstrationen die Chance, dass Betriebe junge Talente direkt ansprechen und für Lehrverhältnisse gewinnen — was für lokale Unternehmen ein Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte sein kann.
Schliesslich zeigt der Auftritt der Industrie am Openair, dass Grossanlässe in Frauenfeld nicht nur kulturelle, sondern auch ökonomische Funktionen haben. Für Eltern, Schulen und Lehrstellensuchende bietet sich dadurch eine zusätzliche, informelle Informationsquelle über berufliche Perspektiven in der Region.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Festivalbesucher (Bericht) | 100'000 (Provisorisch 105'000) |
| Anzahl Lernende beim Rennen | 60 |
Die Kombination aus Festivalstimmung und Ausbildungswerbung ist ein Beispiel dafür, wie lokale Grossanlässe genutzt werden können, um wirtschaftliche Herausforderungen — hier: den Nachwuchsbedarf technischer Branchen — sichtbar und anschlussfähig zu machen.