Das Grand Théâtre de Genève beginnt seine neue Spielzeit mit einem seltenen Blick in das Werk eines Heimatschöpfers: Gezeigt wird die einzige Oper des Genfers Frank Martin, basierend auf Shakespeares «The Tempest». Die Wahl unterstreicht die Bedeutung Martins für das Musikleben in Genf und setzt zugleich ein klares, lokales Zeichen zum Auftakt der Saison.
Seltene Oper, starke lokale Bezüge
Frank Martin (geboren am 15. September 1890) ist in der Musikwelt vor allem für seine Oratorien, Kammermusik und Liederzyklen bekannt. Dass er auch eine Oper schrieb, ist weniger geläufig: Die 1956 in Wien uraufgeführte Arbeit, in Genfer Zusammenhang oft mit dem deutschen Titel „Der Sturm“ benannt, wurde bislang nur vereinzelt auf die Bühne gebracht. In Genf war die Oper bisher nur einmal aufgeführt, 1967 in einer französischen Fassung („La Tempête“).
Besetzung und Produktion
Die Inszenierung am Grand Théâtre bringt mehrere lokal verankerte Akteure: Intendant Alain Perroux, der zuvor in Aix-en-Provence und Strasbourg wirkte, hat die Leitung übernommen. Regisseurin ist Netia Jones, bekannt als Hausregisseurin am Royal Opera House in London sowie als Multimedia-Künstlerin. Damit verbindet die Produktion lokale Verantwortung mit internationaler szenischer Kompetenz.
- Die französische Fassung der Oper orientiert sich an der Übersetzung, die Martins Schwester Pauline erstellte.
- Eine Besonderheit der Partitur ist die ungleiche Stimmverteilung: elf männliche Stimmen stehen nur einer weiblichen Rolle gegenüber (Miranda), die in Genf von Catherine Trottmann gesungen wird.
- Die Wiederaufnahme des Werks fügt sich in eine seltene Aufführungsgeschichte; zuletzt war die Oper 2018 in Saarbrücken zu sehen.
Kultureller Kontext und lokale Bedeutung
Frank Martin war nicht nur Komponist, sondern auch Lehrender an Schweizer Institutionen; vor dem Zweiten Weltkrieg hatte er eine Professur in Genf inne. Seine Bedeutung für die lokale Musikkultur geht somit über das einzelne Werk hinaus: Die Wiedergabe seiner Oper in Genf rückt diese Verbindung erneut ins Bewusstsein des städtischen Musik- und Theaterbetriebs.
«Dass Martin auch eine Oper geschrieben hat, ist weniger bekannt.»
Daten im Überblick
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 15.09.1890 | Geburt von Frank Martin |
| 1956 | Uraufführung der Oper (Wien) |
| 1967 | Einzige bislang bekannte Aufführung der französischen Fassung in Genf |
Für das lokale Publikum ist die Aufführung von Interesse: Sie bietet die Gelegenheit, ein selten gespieltes Werk eines Genfer Komponisten in einer aufwändigen Produktion zu erleben. Die Zusammenführung lokaler Leitung und internationaler Regiekunst dürfte zudem ästhetische Fragen aufwerfen, die in der Kulturlandschaft Genfs diskutiert werden. Karteninformationen und Termine veröffentlicht das Grand Théâtre de Genève.