Die seit Jahrhunderten dokumentierte Waljagd auf den zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln steht erneut im Fokus internationaler Kritik. Nach Angaben des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) sind in diesem Jahr bereits mehr als 800 Grindwale getötet worden. Die Berichte schildern eine Praxis, die sich von kommerziellem Walfang unterscheidet, aber in ihrer Konsequenz ebenso drastische Auswirkungen auf Tiere und Lebensgemeinschaften hat.
Ritual und Massaker: der Ablauf der Jagd
Anders als bei industriellem Fang verbreitet sich die Nachricht über gesichtete Grindwale rasch, wodurch Einheimische mit Kleinbooten hinausfahren und die Tiere in registrierte Buchten treiben. Dort werden die Meeressäuger ins seichte Wasser gelotst und an Land gezogen. Nach Darstellung des VGT soll eine spezielle Lanze das Rückenmark durchtrennen, anschliessend werden Schlagadern mit einem langen Messer geöffnet.
- Der VGT berichtet von mehr als 800 getöteten Tieren in diesem Jahr.
- Ein besonders dramatischer Vorfall am 27. Mai soll rund 700 Grindwale betroffen haben.
- Grindwale können bis zu 8 Meter lang und 3 Tonnen schwer werden und leben in engen Familienverbänden.
Der VGT beschreibt die Szene eindringlich: Das Wasser einer Bucht habe sich durch das Blut der Tiere rot gefärbt, Kinder und Familien seien häufig anwesend, und die Tötungen würden von einer «Volksfeststimmung» begleitet.
"Diese Kultur stirbt mit dem Massaker"
Zwischen Tradition, Identität und Tierethik
Die Waljagd ist auf den Färöern seit dem 16. Jahrhundert schriftlich belegt. Was einst der Versorgung auf kargen Inseln diente, ist heute laut VGT vor allem noch Tradition und Bestandteil lokaler Identität. Diese Einordnung macht die Debatte komplex: Traditionen zu respektieren ist eine gesellschaftliche Aufgabe — gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Praktiken, die ganze Familienverbände von Tieren ausrotten, unter zeitgenössischen ethischen und ökologischen Gesichtspunkten haltbar sind.
Der VGT betont eine besondere Tragik: Grindwale geben innerhalb ihrer Familienwissen weiter — über Wanderungen, Gesänge und Jagdverhalten. Werden ganze Verbände ausgelöscht, verschwindet damit ein Teil lebendigen Wissens, das sich nicht einfach wiederherstellen lässt.
Zeugenberichte und Behauptungen zur "Humanisierung"
VGT-Obmann Martin Balluch hat sich nach eigenen Angaben mit einem Walfänger unterhalten. Dieser soll erklärt haben, die Jagd sei in den vergangenen Jahren «humaner» geworden. Der Bericht des VGT enthält zudem die Darstellung, dass nach dem Ziehen an Land ein Rundhaken im Blasloch verwendet werde; der ursprüngliche Text endet an dieser Stelle unvollständig, lässt aber die Schilderung handwerklicher Details erkennen.
| Fakt | Angabe laut VGT/Quelle |
|---|---|
| Getötete Grindwale (dieses Jahr) | mehr als 800 |
| Einzelereignis (27. Mai) | rund 700 |
| Grösse Grindwale | bis 8 m, 3 Tonnen |
Die Berichte des VGT werfen Fragen an Politik, Tourismus und lokale Gemeinden auf: Wie lässt sich kulturelles Erbe bewahren, ohne unverhältnismässigen Schaden für Tiere und ökologische Systeme zu verursachen? Internationale Aufmerksamkeit und Kritik könnten Druck erzeugen, doch jede Veränderung trifft auf verwurzelte Eigenheiten einer Gemeinschaft.
Die Auseinandersetzung bleibt kontrovers. Sicher ist nur, dass die Folgen dieser Jagden über die unmittelbar Betroffenen hinausgehen: Wenn Tiere mit komplexen Sozialstrukturen ausgelöscht werden, geht damit auch unsichtbares Wissen verloren — ein Verlust, der nicht allein mit Statistik zu bemessen ist.