Das Oberlandesgericht Köln hat einer weit verbreiteten Werbeaussage der Lufthansa vorläufig die Rote Karte gezeigt. In einer Entscheidung vom Donnerstag, 9. Juli 2026 untersagte das Gericht, den Versprechen nachzugehen, Kundinnen und Kunden könnten ihre „flugbezogenen CO2‑Emissionen direkt während der Buchung durch den Einsatz nachhaltiger Flugkraftstoffe (SAF) reduzieren“. Geklagt hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH).
Was hat das Gericht beanstandet?
Die Richter argumentierten laut Quelle, die Werbung lasse unklar, wann das aus Biomasse recycelte Bio‑Kerosin tatsächlich eingesetzt werde. Damit bliebe für Konsumentinnen und Konsumenten offen, ob ein bezahlter Zuschlag unmittelbar zu einer konkreten Emissionsverminderung auf dem gebuchten Flug führt oder eher zu einer statistischen oder zeitlich versetzten Anrechnung. Diese Unklarheit stand im Zentrum des Verbots.
"flugbezogenen CO2‑Emissionen direkt während der Buchung durch den Einsatz nachhaltiger Flugkraftstoffe (SAF) reduzieren"
Die Entscheidung betrifft nicht nur die konkrete Formulierung, sondern die Frage nach der Nachvollziehbarkeit von Umweltversprechen in der Werbung insgesamt. Das Gericht verlangte mehr Transparenz darüber, wann und wie SAF tatsächlich eingesetzt werden — ein Kernpunkt in Auseinandersetzungen um vermeintliches Greenwashing.
Betroffene Akteure und Bedeutung
Auf der einen Seite steht ein großer Luftfahrtkonzern, der in der Kommunikation betont, Kundinnen und Kunden könnten durch einen Aufpreis aktiv zur Klimaschutzwirkung beitragen. Auf der anderen Seite steht eine Verbraucherschutz‑ und Umweltorganisation, die genau diese Aussagen auf ihre rechtliche Verbindlichkeit hin überprüft hat. Die Entscheidung des OLG Köln setzt damit ein Signal an Werbungtreibende, ihre Umweltkommunikation klarer zu fassen.
- Klägerin: Deutsche Umwelthilfe (DUH).
- Beklagte: Lufthansa (Werbeaussage zur Buchung und SAF‑Zuschlägen).
- Entscheidung: Teilweises Werbeverbot durch das Oberlandesgericht Köln.
| Datum | Gegenstand | Bemerkung |
|---|---|---|
| 9. Juli 2026 | Werbeaussage zu SAF bei Buchung | Unklarheit, wann das Biokerosin eingesetzt wird |
Für die Praxis bedeutet das Urteil, dass Unternehmen, die klimabezogene Zahlungsoptionen anbieten, genauer dokumentieren und kommunizieren müssen, wie Zahlungen in konkrete Emissionsminderungen überführt werden. Andernfalls drohen Unterlassungsansprüche von Verbraucherschutzorganisationen und mögliche Reputationsverluste.
Gleichzeitig wirft die Entscheidung die Frage auf, wie ein sinnvoller Rahmen für die Bewerbung von Instrumenten zur Emissionsreduktion aussehen kann. Verbrauchern ist Transparenz über den Mechanismus wichtig: Wird ein konkreter Flug mit SAF betankt, werden Kontingente umgeschichtet, oder findet eine Bilanzierung auf anderer Ebene statt? Das Gericht forderte in diesem Fall Klarheit über genau solche Abläufe.
Ob und wie die Lufthansa ihre Werbestrategie anpassen wird, bleibt abzuwarten. Das Urteil könnte aber als Vorbild für künftige Auseinandersetzungen dienen, in denen es um die Abgrenzung zwischen zulässiger Werbung für Klimaschutzangebote und irreführender Umweltkommunikation geht.