Eine neue Langzeitstudie aus Australien legt nahe, dass hohe Temperaturen die Zahl der Klinikaufnahmen wegen psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen erhöhen. Die Untersuchung der Universität Sydney analysierte Daten aus dem Bundesstaat New South Wales von 2001 bis 2022 und dokumentiert, dass an besonders heißen Tagen die Aufnahmen vor allem in der kalten Jahreszeit anstiegen.
Was die Studie belegt
Die Autorinnen und Autoren stellten fest, dass extreme Wärme das Risiko für verschiedene psychische Störungen erhöht — darunter Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Substanzkonsum sowie Verhaltensauffälligkeiten. Die genauen Mechanismen sind noch nicht abschliessend geklärt; die Forschenden diskutieren jedoch plausible Erklärungen wie beeinträchtigten Schlaf, Stressreaktionen und plötzliche Temperaturwechsel.
„Wetter, das heißer ist als üblich und durch den Klimawandel häufiger vorkommt, beeinträchtigt bereits die psychische Gesundheit einiger unserer besonders verletzlichen jungen Menschen“,
dieser Satz des Hauptautors Wen‑Qiang He fasst die Sorge der Studie zusammen: Mit der Erwärmung des Klimas könnten bereits bestehende Belastungen bei Kindern und Jugendlichen deutlich zunehmen.
Projektionen für die Zukunft
Die Forscherinnen und Forscher rechneten anhand unterschiedlicher Emissionsszenarien vor, wie stark die hitzebedingten Klinikaufnahmen bis Ende des Jahrhunderts zunnehmen könnten:
- niedrige bis moderate Emissionen: Anstieg um 6,0 bis 7,7 Prozent (für 2090–2099)
- hohe Emissionen: Anstieg um 20,8 Prozent (für 2090–2099)
| Szenario | Prognostizierter Anstieg (2090–2099) |
|---|---|
| Niedrige/moderate Emissionen | 6,0–7,7 % |
| Hohe Emissionen | 20,8 % |
Kontext und Bedeutung für die Schweiz
Internationale Befunde dieser Art sind für die nationale Gesundheitsplanung relevant: Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit etwa 15 Prozent der 10‑ bis 19‑Jährigen eine psychische Störung aufweisen. Wenn Hitzeperioden künftig häufiger und intensiver werden, betrifft das nicht nur somatische Erkrankungen: Auch die psychische Krankheitslast könnte zunehmen und damit die Nachfrage nach kinder‑ und jugendpsychiatrischer Versorgungsteigen.
Für Gesundheitssysteme und Schulen bedeutet das, präventive Massnahmen und Anpassungsstrategien zu prüfen — etwa hitzeresiliente Betreuungsangebote, Schulöffnungszeiten, Schlafhygieneprogramme sowie eine stärkere Einbindung der psychischen Gesundheit in Klimaanpassungspläne. Die Studie betont, dass psychische Gesundheit bei Klimaanpassung und öffentlicher Gesundheitsplanung an Priorität gewinnen muss.
Gleichzeitig zeigen die Resultate die Notwendigkeit weiterer Forschung: Die Mechanismen, die den beobachteten Zusammenhang erklären, bleiben teilweise unklar. Langfristig sind lokale Analysen nötig, um regionale Rahmenbedingungen, bestehende Versorgungskapazitäten und sozioökonomische Faktoren zu berücksichtigen.
Die australische Studie liefert damit einen klaren Hinweis: Klimawandel ist nicht nur eine Frage der Temperaturen und Extremereignisse — er hat auch direkte Implikationen für die mentale Gesundheit junger Menschen und die Planung des Gesundheitswesens.