Situation in der Europa-Region und Relevanz für die Schweiz
Die Weltgesundheitsorganisation WHO und Unicef berichten, dass in der WHO-Europaregion nach wie vor Hunderttausende Kinder ohne vollständigen Impfschutz leben. Zwar ist die Zahl der vollständig ungeimpften Kinder im Vergleich zum Vorjahr gesunken, doch bleiben die Lücken bei grundlegenden Schutzimpfungen bedeutsam. Die Region umfasst 53 Länder und reicht weit über die EU hinaus; betroffen sind etwa auch die Türkei, Turkmenistan und Israel.
Konkrete Zahlen und nationale Bezüge
Die UN-Organisationen beziffern die Lage wie folgt:
- 566'000 Kinder in den 53 Ländern hatten im vergangenen Jahr keinen einzigen Impfschutz.
- 258'000 Kinder waren nur unzureichend geschützt.
- Die Zahl der vollständig ungeimpften Kinder sank um 43'000 gegenüber 2024.
- In Deutschland werden 21'000 Kinder als gar nicht geimpft angegeben; bei der HPV-Impfung sind 55 Prozent der Mädchen vollständig geschützt.
| Indikator | Zahl |
|---|---|
| Völlig ungeimpfte Kinder (Region) | 566'000 |
| Unzureichend geschützt | 258'000 |
| Rückgang vollständig ungeimpfter Kinder | 43'000 |
| Völlig ungeimpfte Kinder (Deutschland) | 21'000 |
| HPV-Impfquote bei Mädchen (Deutschland) | 55 % |
Trends bei Routineimpfungen
Die Berichte zeigen auch, dass einige Kernimpfraten gesunken sind: Die Diphtherie-/Tetanus-/Pertussis-Impfungen (DTaP) erreichten in der Region 94 Prozent, wie im Vorjahr, nach 96 Prozent im Jahr 2019. Die erste Masern-Dosis erreichte rund 92 Prozent, ebenfalls unverändert gegenüber dem Vorjahr, nach 94 Prozent in 2019. Insgesamt warnen WHO und Unicef vor einzelnen Rückgängen in verschiedenen Ländern.
Ursachen und Folgen
Als Gründe für die Lücken nennen die Organisationen mehrere Faktoren:
- Eingeschränkte Impfprogramme in Konfliktgebieten;
- Weniger Mittel infolge gekürzter Entwicklungshilfe durch wohlhabendere Staaten;
- Falschinformationen über Impfnebenwirkungen.
Die Folgen sind gravierend: Sinkende Impfraten erhöhen das Risiko von Ausbrüchen von Masern, Diphtherie und anderen vermeidbaren Krankheiten. Für den Schutz vor Gebärmutterhalskrebs weist die WHO zudem auf die Anforderungen hin: Eine Impfrate von mindestens 90 Prozent gilt als Ziel, um nachhaltigen Gemeinschaftsschutz zu erreichen — in Deutschland liegt die Quote bei 55 Prozent und damit deutlich darunter.
Bewertung und Mahnung
„Impfstoffe haben in den letzten fünf Jahrzehnten mehr als 150 Millionen Menschenleben gerettet“,
betonte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bereits im vergangenen Jahr. Die Aussage unterstreicht die Wirksamkeit von Impfprogrammen, gleichzeitig mahnen die UN-Organisationen zu verstärkten Anstrengungen, um bestehende Lücken zu schliessen. Für Deutschland und andere Länder bedeutet dies, Programme zur Auffrischung, Aufklärung und gezielten Impfangeboten zu stärken — insbesondere dort, wo die Raten deutlich hinter dem angestrebten Schwellenwert zurückbleiben.
Für die öffentliche Gesundheit bleibt zentral, Impfskepsis mit sachlicher Information zu begegnen, den Zugang zu Routineimpfungen auch in Konflikt- und Krisenregionen aufrechtzuerhalten und die Finanzierung von Programmen langfristig zu sichern. Nur so lassen sich die in den Zahlen sichtbaren Risiken in konkrete Vorsorge ummünzen.