Neuer Kurs für den Finanzplatz: Bewährtes sichern, Zukunft gestalten
Seit dem 1. April 2026 steht Ivo Klein an der Spitze des Liechtensteiner Bankenverbandes (LBV) und leitet zugleich als Verwaltungsratspräsident das Vaduzer Medienhaus AG. Nach seinen ersten 100 Tagen zieht Klein eine Bestandsaufnahme: Der Fokus soll einerseits auf stabilen Rahmenbedingungen liegen, andererseits auf einer aktiven Gestaltung der kommenden Jahre durch Leitprojekte wie die Roadmap 2030.
Globale Risiken, lokale Antworten
Klein nennt eine Reihe externer Herausforderungen, die den Finanzplatz prägen: geopolitische Spannungen, Sanktionen und Handelskonflikte erhöhen die Anforderungen an Risikomanagement und Compliance. Zudem rücken technische Bedrohungen in den Vordergrund: Cybervorfälle gelten für ihn als eines der wichtigsten operativen Risiken, und Technologien wie Künstliche Intelligenz sind bereits Alltag. Auch Quantencomputing könnte nach Kleins Einschätzung Veränderungen auslösen, die mit der Entwicklung des Internets vergleichbar sind. Trotz allem bleibt für ihn zentral:
«Der Mensch wird auch künftig im Mittelpunkt stehen müssen.»
Standortstrategie: Klein setzt auf Qualität und Regeln
Als kleiner Finanzplatz setzt Liechtenstein nach Kleins Darstellung auf eine hohe Qualität und eine konsequente Compliance-Kultur. Mit dem TVTG habe das Land sich als Vorreiter im Blockchain-Bereich positioniert; trotz der MiCAR-Regulierung bleibe Liechtenstein ein Modell. Der Zugang zu Märkten werde durch den EWR als Erfolg bewertet, jedoch nicht ohne gemeinsame Spielregeln möglich.
- Roadmap 2030: Leitprojekt zur Ausrichtung des Bankenplatzes in den kommenden Jahren.
- Compliance & Risikomanagement: Antwort auf geopolitische und regulatorische Herausforderungen.
- Technologie: KI ist Alltag, Quantencomputing bleibt im Blick.
- Nachhaltigkeit: Langfristiges Denken, Verbindung von Rendite und ökologischer Wirkung.
Nachhaltigkeit, Talente und Wettbewerbsfaktoren
Klein versteht Nachhaltigkeit als ein «Denken in Generationen» und betont, dass Nachhaltigkeit und Rendite sich nicht ausschliessen müssten. Er sieht eine Chance, Kapital in Klima-, Biodiversitäts- und Transformationsprojekte zu leiten. Um Talente zu gewinnen, setzt er auf die Standortvorteile Liechtensteins: kurze Wege und rasche Entscheidungsprozesse.
Kurzübersicht: Themenschwerpunkte der ersten 100 Tage
| Thema | Kernaussage |
|---|---|
| Roadmap 2030 | Strategische Ausrichtung des Bankenplatzes für die nächsten Jahre |
| Cyber- & Tech-Risiken | Cyberrisiken als bedeutende operative Gefahr; KI etabliert, Quantencomputing beobachtet |
| Compliance & Regulierung | Konsequente Compliance-Kultur, TVTG als Blockchain-Vorreiter, EWR als Erfolgsmodell |
| Nachhaltigkeit | Langfristiges Denken; Kapitallenkung in Klima- und Transformationsprojekte |
Kleins Zwischenbilanz ist pragmatisch: Bewährtes soll gesichert werden, der Dialog zwischen Behörden, Banken und Öffentlichkeit gestärkt sowie strategische Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Wie diese Vorhaben konkret umgesetzt werden, bleibt Gegenstand weiterer Diskussionen — etwa bei der Ausarbeitung und Verabschiedung der Roadmap 2030. Für den Finanzplatz Liechtenstein steht dabei viel auf dem Spiel: Innovationsfähigkeit, regulatorische Reputation und die Fähigkeit, Fachkräfte anzuziehen, entscheiden über die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.