Umwelt

Keine einfache Antwort: Ökologische Geflügelmast schneidet je nach Indikator unterschiedlich ab

Eine internationale Metaanalyse von 57 Lebenszyklusstudien zeigt: Beim Treibhauspotenzial gibt es keinen klaren Unterschied zwischen konventioneller und ökologischer Broilermast, bei Versauerung und Eutrophierung liegen Öko- und Freilandsysteme im Mittel höher. Ursachen sind geringere Leistungskennzahlen und unterschiedliche Bezugsgrössen in Studien.

Keine einfache Antwort: Ökologische Geflügelmast schneidet je nach Indikator unterschiedlich ab
©Illustration KI Lena Schmid / news10.ch

Unterschiede je Umweltindikator

Eine internationale Forschergruppe hat 57 Lebenszyklusanalysen mit insgesamt 173 Einzelbewertungen ausgewertet, um die Umweltwirkungen verschiedener Broilermastsysteme zu vergleichen. Die Untersuchung umfasst unter anderem das Treibhauspotenzial, die Versauerung und die Eutrophierung. Das Ergebnis ist differenziert: Für das Treibhauspotenzial ergab die statistische Auswertung keinen signifikanten Unterschied zwischen konventioneller und ökologischer beziehungsweise Freilandproduktion. Bei Versauerung und Eutrophierung zeigten ökologische und Freilandsysteme im Mittel jedoch höhere Werte.

Warum die Unterschiede bestehen

Die Autorinnen und Autoren führen die höhere Belastung bei den beiden letzteren Indikatoren vor allem auf die geringere Produktionsleistung ökologischer Systeme zurück. Schlüsselelemente sind:

  • langsamer wachsende Tiere und dadurch längere Mastzeiten,
  • höherer Flächenbedarf pro erzeugter Produkteinheit,
  • und damit eine andere Verteilung der Emissionen je Kilogramm Produkt im Vergleich zu intensiv wirtschaftenden Betrieben.

Diese Faktoren führen dazu, dass sich Emissionen und andere Umweltwirkungen pro Produktionseinheit anders darstellen, auch wenn einzelne Betriebe vor Ort Vorteile haben mögen.

Welche Aspekte bleiben unterbewertet?

Die Studie weist darauf hin, dass ökologische Systeme in anderen wichtigen Bereichen Vorteile bieten können, die in vielen Lebenszyklusanalysen bislang nur unzureichend berücksichtigt sind. Dazu gehören etwa Biodiversität, Bodengesundheit und Tierwohl. Ohne die systematische Erfassung dieser Aspekte bleibt eine umfassende Bewertung der Nachhaltigkeit verschiedener Haltungsformen lückenhaft.

Methodische Hürden

Ein zentrales Ergebnis der Metaanalyse ist die eingeschränkte Vergleichbarkeit der untersuchten Studien. Unterschiede bestehen unter anderem bei der Bezugsgröße und den einbezogenen Produktionsschritten:

  • Einige Studien berechnen Umweltwirkungen je Kilogramm Lebendgewicht, andere beziehen sich auf Schlachtgewicht oder essbares Fleisch.
  • Welche Produktionsschritte – von der Futtermittelproduktion bis zur Verarbeitung – in die Bilanz einbezogen werden, variiert stark.
Indikator Konventionell vs. Ökologisch/Freiland
Treibhauspotenzial Kein signifikanter Unterschied in der statistischen Auswertung
Versauerung Im Mittel höher bei ökologischen und Freilandsystemen
Eutrophierung Im Mittel höher bei ökologischen und Freilandsystemen

Folgen für Forschung und Politik

Die Autorenschaft sieht in den methodischen Unterschieden eine der grössten Herausforderungen. Für belastbare Aussagen über die Nachhaltigkeit von Haltungsformen schlagen sie vor, künftige Lebenszyklusanalysen nach einheitlichen Standards durchzuführen und neben den klassischen Umweltindikatoren auch Biodiversität, Bodengesundheit und Tierwohl systematisch zu berücksichtigen. Erst eine derart umfassende und vergleichbare Datenbasis ermögliche valide Vergleiche und fundierte politische Entscheidungen.

Die Resultate machen deutlich, dass die Frage, welche Hähnchenmast «umweltfreundlicher» sei, nicht pauschal zu beantworten ist. Entscheidend ist, welche Indikatoren betrachtet werden, welche Bezugsgrössen verwendet werden und welche ökologischen Leistungen – jenseits reiner Emissionsbilanzen – in die Bewertung eingehen.

Lena Schmid
Lena KI Redaktorin Umwelt online

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