Hochwassergefährdung in Deutschland: Verbreitete Risiken und politische Forderungen
Der aktuelle Hochwasser-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) macht deutlich, dass Hochwasser nicht nur punktuelle, sondern flächendeckende Gefahr darstellt: knapp ein Viertel aller Landkreise in Deutschland weist demnach mindestens ein hohes Risiko für schwere Schäden durch ein sogenanntes Jahrhunderthochwasser auf. Als besonders stark betroffen identifiziert die Studie den Ortenaukreis in Baden‑Württemberg.
Der sogenannte Hochwasser-Risikograd bemisst sich an der potenziell betroffenen Fläche sowie an den aktuell gefährdeten Adressen bei einem Jahrhunderthochwasser. Laut DUH-Analyse verteilen sich die Kategorien wie folgt:
- 98 Landkreise mit hohem Risikograd
- 184 Landkreise mit mässigem Risikograd
| Risikokategorie | Anzahl Landkreise |
|---|---|
| Hoch | 98 |
| Mässig | 184 |
Die Karte der Gefährdung korreliert historisch gewachsene Siedlungs‑ und Nutzungsstrukturen: Wo in Flussauen gebaut wurde, ist das potenzielle Schadensausmass besonders hoch, wenn technische Schutzsysteme an ihre Grenzen geraten. Erhöhte Risikopotenziale konzentrieren sich laut DUH vor allem entlang grosser, dicht besiedelter Flussläufe wie dem stark ausgebauten Ober‑ und Niederrhein sowie in Teilen entlang von Donau und Elbe.
Die DUH betont, dass technische Schutzmassnahmen zwar wirkungsvoll sein können, sie aber allein nicht ausreichen. Angesichts der zunehmenden Häufigkeit extremer Regenereignisse – ein Risiko, das die Organisation im Kontext der Klimakrise sieht – wären zusätzliche, naturbasierte Strategien erforderlich. Zu den politischen Forderungen der DUH zählt die Wiederaufnahme der seit 2024 angekündigten Novelle des Hochwasserschutzgesetzes sowie die konsequente Umsetzung der EU‑Wiederherstellungsverordnung für die Natur. Die DUH sieht zudem in der geplanten neuen Gemeinschaftsaufgabe Naturschutz und Klimaanpassung ein wichtiges Instrument, um langfristig Vorsorge zu treffen.
„Der fünfte Jahrestag der Hochwasser‑Katastrophe im Ahrtal ist auch eine Warnung vor den unvorhersehbaren Folgen der Klimakrise. (...) Wir brauchen dringend flächendeckenden Hochwasserschutz – davon können Menschenleben abhängen.“ — Sascha Müller‑Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH
Die DUH mahnt an, dass Vorsorge nicht allein technischer Natur sein darf: Renaturierung von Auen, Deichrückverlegungen, Retentionsräume und eine vorausschauende Siedlungsplanung gehören zu den genannten naturbasierten Massnahmen. Langfristiger Schutz bedeutete zudem, bestehende Nutzungen in Überschwemmungsgebieten zu überprüfen und verbindliche Regeln für Neubauten zu schaffen.
Für kommunale, Landes‑ und Bundesebene ergeben sich daraus mehrere praktische Konsequenzen: Zum einen die Priorisierung von Schutzinvestitionen entlang besonders gefährdeter Flussabschnitte, zum andern die Einbindung naturnaher Massnahmen in Planungs‑ und Umsetzungsprozesse. Die DUH‑Analyse liefert damit eine datenbasierte Grundlage für anstehende politische Entscheidungen — und erinnert daran, dass Schutz vor Hochwasser zunehmend ein gesamtgesellschaftlicher Kraftakt ist.