Der Deutsche Tourismusverband (DTV) hat eine aktualisierte, zweite Auflage seines Praxisleitfadens zur nachhaltigen Entwicklung von Tourismusdestinationen vorgelegt. Das Werk zielt darauf ab, Nachhaltigkeit nicht länger als punktuelle Massnahme, sondern als strategisches Gestaltungsprinzip in den Zentren von Destinationen zu verankern. Entscheidend ist dabei die Verbindung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten, wie der DTV in der Veröffentlichung betont.
Konkrete Neuerungen und ihr Nutzen
Gegenüber der ersten Version wurden mehrere Instrumente ergänzt, die Planern und Verantwortlichen vor Ort unmittelbar nutzbar sind. Hervorzuheben sind insbesondere ein Indikatorenset für nachhaltigen Tourismus sowie ein praxisorientiertes Stellenprofil für Nachhaltigkeitsmanagement in Destinationen. Ebenfalls neu ist die digitale Bereitstellung der Inhalte, womit der Zugang zu den Materialien vereinfacht und deren laufende Aktualisierung möglich wird.
- Indikatorenset: Ermöglicht die Messung von Fortschritten in Umwelt-, Natur- und Klimaschutz sowie sozialer Verantwortung.
- Stellenprofil: Bietet eine konkrete Vorlage für Aufgaben und Verantwortungen einer Nachhaltigkeitsposition in touristischen Organisationen.
- Digitale Plattform: Erleichtert die Integration der Materialien in die operative Arbeit von Destinationen.
Einbettung in Förder- und Wettbewerbsformate
Als praktisches Folgeinstrument dient der Leitfaden als inhaltliche Grundlage für den Bundeswettbewerb nachhaltige Tourismusdestinationen 2026/2027, den DTV gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUKN) sowie dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) betreibt. Der Wettbewerb geht im September in seine vierte Runde; Teilnehmen können Städte, Regionen und Orte, die ihren Tourismus nachhaltig entwickeln wollen — unabhängig vom Entwicklungsstand bestehender Strategien. Detaillierte Informationen zu Ablauf und Kriterien sollen ab August 2026 auf www.nachhaltiger-tourismus.info verfügbar sein.
| Neuerung | Zweck |
|---|---|
| Indikatorenset | Messung und Vergleich nachhaltiger Leistungen |
| Stellenprofil | Klar definierte Aufgaben für Nachhaltigkeitsmanagement |
| Digitale Plattform | Leichterer Zugang und kontinuierliche Aktualisierung |
Folgen für Destinationen und Politik
Die Ergänzungen tragen dazu bei, Nachhaltigkeit operationalisierbar zu machen: Ein Indikatorenset schafft messbare Benchmarks, mit denen sich Fortschritte dokumentieren lassen; ein Stellenprofil fördert die Professionalisierung von Verantwortlichkeiten vor Ort. Für politische Akteure bedeutet dies, dass Fördermassnahmen und Wettbewerbsbedingungen künftig stärker an überprüfbaren Kriterien ausgerichtet werden können. Das spricht insbesondere Kommunen und regionalen Tourismusorganisationen an, die Ressourcen zielgerichtet einsetzen wollen, um langfristige Umwelt-, Klima- und Wirtschaftsziele zu erreichen.
Der Leitfaden ist damit weniger ein normatives Lehrstück als ein praxisorientiertes Werkzeug: Er will Destinationen konkrete Mittel an die Hand geben, Nachhaltigkeit in Planungsprozesse zu integrieren und anschliessend zu messen. Die Kombination aus Leitfaden und Bundeswettbewerb schafft Anreize, die neben ökologischen auch wirtschaftliche Belastbarkeit und soziale Aspekte berücksichtigen — und damit einen breiteren, politisch relevanten Rahmen für die künftige Ausrichtung des Tourismus.