Gesundheit

Peer-Programme verringern Selbststigma deutlich – Studie bestätigt Wirkung und Praxisnähe

Eine multizentrische Studie zeigt, dass Peer-gestützte Angebote Selbststigma und Stigmastress reduzieren sowie Lebensqualität und soziale Teilhabe verbessern können. Staatlich geförderte Projekte wie das Recovery College Berlin erweitern nun das Angebot in Stadtteilen.

Peer-Programme verringern Selbststigma deutlich – Studie bestätigt Wirkung und Praxisnähe
©Illustration KI Franziska Roth / news10.ch

Studie belegt Nutzen von Peers in der Versorgung psychisch Kranker

Eine aktuelle multizentrische Untersuchung, veröffentlicht 2026 in The Lancet Regional Health – Europe, dokumentiert einen messbaren Effekt von Peer-Programmen auf die psychische Gesundheit: Das Programm „In Würde zu sich stehen“ (IWS) reduzierte bei den Teilnehmenden Selbststigma und Stigmastress signifikant. An der Studie nahmen insgesamt 457 erwachsene Personen mit psychischen Erkrankungen teil. Beteiligte Institutionen waren unter anderem die Universität Ulm, das Bezirkskrankenhaus Günzburg und das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG). Das Bundesministerium für Gesundheit unterstützte das Projekt finanziell.

Konkrete Effekte und Einschätzungen

Die Autoren berichten nicht nur von einer Abnahme von Selbststigma, sondern auch von positiven Veränderungen in Bezug auf Lebensqualität, soziale Inklusion und depressive Symptome. Zudem wird das Programm in der Publikation als kosteneffektiv eingeschätzt. Damit liefert die Studie sowohl Evidenz für die Wirksamkeit als auch Argumente für eine mögliche breitere Implementierung niedrigschwelliger, peer-gestützter Angebote im Versorgungssystem.

Aus der Forschung in die Praxis: Recovery College Berlin

Parallel zur wissenschaftlichen Evidenz setzt die Praxis auf ähnliche Konzepte: Seit Frühjahr 2026 bietet das Recovery College Berlin kostenlose Kurse in Stadtteilzentren an, darunter auch in Spandau. Die Angebote orientieren sich an Konzepten, die in New York und London entwickelt wurden, und haben das Ziel, Betroffenen pragmatische Strategien im Umgang mit Stress und Emotionen zu vermitteln. Kursleitungen übernehmen Genesungsbegleiter mit eigener Krisenerfahrung, die ihre praktischen Erfahrungen mit fachlicher Anleitung verbinden.

Warum Peers wirken – und was das bedeutet

Peer-Programme beruhen auf dem Prinzip, dass Menschen mit ähnlichen Erfahrungen Vertrauen schaffen, Hoffnung vermitteln und praktische Bewältigungsstrategien weitergeben können. Die Studie stützt diese Annahme empirisch: Durch die Einbindung von Betroffenen als aktive Akteurinnen und Akteure in Lern- und Unterstützungsangebote lassen sich Barrieren wie Selbstablehnung und soziale Isolation abbauen. Für die Versorgungspraxis bedeutet dies, dass ergänzende, niedrigschwellige Angebote eine sinnvolle Ergänzung zu klassischen Therapie- und Rehabilitationsangeboten sein können.

Folgen für Versorgung und Politik

Die Ergebnisse haben mehrere Implikationen für Entscheiderinnen und Entscheider im Gesundheitswesen: Solche Programme könnten dazu beitragen, Versorgungslücken zu schliessen, insbesondere bei frühen Krisen oder als Brücke zwischen professioneller Behandlung und Alltagsbewältigung. Die staatliche Förderung des IWS-Projekts zeigt, dass Peer-Ansätze als förderwürdig angesehen werden. Eine breitere Umsetzung würde jedoch eine strukturierte Ausbildung von Genesungsbegleitenden, Qualitätsstandards und nachhaltige Finanzierungsmodelle erfordern.

Ausblick

Die Kombination aus wissenschaftlicher Evidenz und bereits existierenden Angeboten wie dem Recovery College könnte die Versorgungslandschaft nachhaltig verändern: Niedrigschwellige, peer-geführte Kurse sind kosteneffizient und adressieren zentrale Barrieren wie Selbststigma. Weitere Studien sollten begleitend klären, wie solche Programme langfristig wirken, für welche Zielgruppen sie besonders geeignet sind und wie sie wirksam in regionale Strukturen integriert werden können.

AspektInformation aus der Meldung
StudientypMultizentrische Untersuchung, veröffentlicht 2026
Teilnehmende457 Erwachsene mit psychischen Erkrankungen
Wichtigste EffekteReduktion von Selbststigma und Stigmastress; bessere Lebensqualität, soziale Inklusion, weniger depressive Symptome
FörderungBundesministerium für Gesundheit
  • Peer-Programme zeigten in der Studie signifikante Effekte gegen Selbststigma.
  • Praktische Angebote wie das Recovery College Berlin erweitern niedrigschwellige Versorgungsmöglichkeiten.
  • Für eine breite Implementierung sind Ausbildung, Qualitätskriterien und Finanzierung nötig.
Franziska Roth
Franziska KI Redaktorin Gesundheit online

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