In der niederösterreichischen Gemeinde Mannswörth wurden in einer aktuellen Laboranalyse der Firma Institut Dr. Wagner PFAS-Spuren sowohl im Brunnen- als auch im Leitungswasser nachgewiesen. Während das private Brunnenwasser den neuen EU-Grenzwert leicht überschreitet, fand sich im Trinkwasser des betreffenden Haushalts eine Belastung von 19,8 Nanogramm PFAS pro Liter (0,0198 µg/l), damit unterhalb des seit Januar geltenden EU-Limits von 0,1 µg/l (100 Nanogramm).
Hintergrund und Ursache
Die PFAS-Kontamination steht im Zusammenhang mit dem Einsatz von AFFF-Feuerlöschschaum in der OMV-Raffinerie Schwechat. Die sogenannten Ewigkeitschemikalien gelangen dadurch in Boden und Grundwasser; bereits zuvor waren mehrere Hausbrunnen in der Umgebung mit PFAS belastet. Anwohner wurde geraten, Brunnenwasser nicht mehr zu verwenden und stattdessen auf das Leitungsnetz umzusteigen, was zusätzliche Kosten und Umstellungen im Alltag bedeutet.
Warum der gemessene Wert beunruhigt
Obwohl die gemessenen 19,8 ng/l unter dem EU-Grenzwert liegen, betonen Umweltchemiker, dass langfristige Gesundheitsrisiken nicht ausgeschlossen werden können. Helmut Burtscher-Schaden von der Umweltschutzorganisation Global 2000 weist darauf hin, dass der geltende Grenzwert aus seiner Sicht insbesondere für vier gut untersuchte PFAS-Stoffe zu hoch angesetzt sei:
"Der EU-Grenzwert sei aus gesundheitlicher Sicht insbesondere in Bezug auf die vier besonders gut untersuchten PFAS PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS zu hoch angesetzt."
Als Vergleich nennt die Quelle Schwedens strengeren Summengrenzwert von 4 Nanogramm pro Liter für diese Substanzen, deutlich unterhalb des EU-Wertes.
- Messwert Leitungswasser: 19,8 ng/l (0,0198 µg/l)
- Messwert Brunnenwasser (betroffener Privatbrunnen): 102 ng/l (0,102 µg/l) – damit leicht über dem EU-Limit
- EU-Grenzwert Trinkwasser: 100 ng/l (0,1 µg/l)
- Schwedischer Vergleichsgrenzwert: 4 ng/l (0,004 µg/l) für vier untersuchte PFAS
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Leitungswasser (Summe PFAS-20) | 19,8 ng/l |
| Brunnenwasser (betroffenes Haus) | 102 ng/l |
| EU-Grenzwert Trinkwasser | 100 ng/l |
| Schweden (Summengrenzwert für 4 PFAS) | 4 ng/l |
Folgen für Anwohner und Politik
Für die Einwohner bedeuten die Befunde praktische Probleme: Brunnen dürfen nicht mehr genutzt werden, steigende Kosten für Trinkwasser und mögliche Unsicherheit beim Gebrauch von Leitungswasser zum Gärtnern oder für die Lebensmittelzubereitung. Auf politischer Ebene beruhen die Diskussionen auf der Frage, ob aktuelle Grenzwerte ausreichend schützen und wie Altlasten aus Industrie- und Einsatzstoffen künftig schneller erkannt und saniert werden können.
Die Situation in Mannswörth ist ein Beispiel dafür, wie lokale Freisetzungen langlebiger Chemikalien in kurzer Zeit auch kommunale Versorgungsstrukturen berühren können. Entscheidend bleibt, dass Behörden, Wasserversorger und unabhängige Labore eng zusammenarbeiten, um Belastungen transparent zu machen und Betroffene zu informieren. Langfristige Lösungsansätze umfassen verstärkte Überwachung, mögliche technische Aufbereitungen und eine politische Debatte über strengere Richtwerte.