Eine grosse Auswertung medizinischer Daten legt nahe, dass für Menschen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht allein extreme Hitze, sondern insbesondere rasche Temperaturanstiege ein Gesundheitsrisiko darstellen. Forschende analysierten anonymisierte Krankenkassendaten aus Bayern und untersuchten mehr als 1.315.553 Personen mit atherosklerotischen Erkrankungen zwischen den Jahren 2012 und 2020.
Untersuchte Ereignisse und Methodik
Als Endpunkte dienten Krankenhausaufnahmen wegen akuten Koronarsyndroms, Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz sowie Todesfälle jeglicher Ursache. Im Fokus standen sogenannte „upward temperature shifts“ — Tage, an denen die mittlere Aussentemperatur deutlich über dem Durchschnitt der vorangehenden sieben Tage lag.
„upward temperature shifts“
Für die Hauptanalyse wählten die Forschenden einen Temperaturanstieg um 5 Grad gegenüber den vorangegangenen Tagen. Solche raschen Anstiege treten in dem untersuchten Raum im Mittel deutlich häufiger auf als einzelne Hitzetage: Im Schnitt steigt die Temperatur jährlich an circa 21 Tagen um mehr als 5 Grad.
Ergebnisse und Bedeutung
Die Studie weist darauf hin, dass ein schneller Temperaturanstieg mit einem erhöhten Risiko für akute Herz-Kreislauf-Ereignisse und mit höheren Sterberaten einhergehen kann. Damit rücken nicht nur einzelne Hitzetage, sondern auch die Geschwindigkeit von Wetterwechseln in den Blick der medizinischen Prävention. Klinisch relevant sind diese Erkenntnisse vor allem für Patientinnen und Patienten mit koronarer Herzkrankheit, peripherer arterieller Verschlusskrankheit oder Erkrankungen der hirnversorgenden Gefässe.
Präventive Folgen und Handlungsoptionen
Aus den Befunden ergeben sich mehrere Konsequenzen für die Gesundheitsversorgung und die öffentliche Prävention:
- Risikokommunikation: Betroffene und Betreuungspersonen sollten über die Gefahr auch rascher Temperaturwechsel informiert werden.
- Frühe Warnsysteme: Meteorologische Vorwarnungen könnten in die Risikobeurteilung von Patientinnen und Patienten einbezogen werden.
- Versorgungsplanung: Kliniken und Rettungsdienste sollten in Perioden mit häufigen Temperaturwechseln erhöhte Aufmerksamkeit walten lassen.
| Parameter | Angabe |
|---|---|
| Untersuchte Personen | 1.315.553 |
| Zeitraum | 2012–2020 |
| Durchschnittliche Tage/Jahr mit +5°C Anstieg | 21 |
Die Autorinnen und Autoren bemerken, dass bisher vor allem absolute Temperaturwerte — etwa Hitzetage — im Fokus der Forschung standen. Die neue Analyse ergänzt dieses Bild, indem sie die Dynamik des Temperaturverlaufs als möglichen Belastungsfaktor für das Herz hervorhebt.
Für die Schweiz haben diese Resultate praktische Relevanz: Rasche Temperaturanstiege sind auch hier häufiger als einzelne extreme Hitzetage. Gesundheitsbehörden, Primärversorgung und Patientenorganisationen sollten prüfen, wie Warnungen und präventive Massnahmen bei Wetterwechseln besser umgesetzt werden können, ohne dabei die individuellen medizinischen Entscheidungen zu ersetzen.