Das Robert Koch‑Institut (RKI) geht davon aus, dass die Hitzeperiode Ende Juni in Thüringen bereits zu deutlich mehr hitzebedingten Todesfällen geführt hat als im gesamten Jahr 2025. Für das Bundesland schätzt das RKI bis Ende Juni 120 Hitzetote; im Vergleich dazu hatte das Institut für 2025 insgesamt 40 hitzebedingte Todesfälle ermittelt. Deutschlandweit beziffert das RKI die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Hitze für dieses Jahr auf rund 5'120, nahezu doppelt so viele wie 2025 (2'600).
Trend und historische Einordnung
Das RKI weist darauf hin, dass Hitzewellen in Thüringen über einen längeren Zeitraum zu einer erhöhten Sterblichkeit geführt haben. Für den Zeitraum seit 2016 ergibt sich laut RKI‑Schätzungen eine Summe von rund 770 hitzebedingten Todesfällen in Thüringen. Besonders hohe Werte verzeichneten die Jahre 2018 (180 Todesfälle) und 2019 (140 Todesfälle). Diese historischen Zahlen liefern den Kontext für die Einschätzung, dass auch die jüngste Hitzewelle wieder zu einem deutlichen Anstieg der Mortalität geführt haben dürfte.
Wie das RKI Hitzetote ermittelt
Das RKI nutzt statistische Verfahren, um hitzebedingte Sterbefälle abzuschätzen. Ein zentrales Element der Analyse sind Temperaturdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD): Für die Auswertung werden Daten von 52 Wetterstationen herangezogen. Typischerweise wird ab einer Wochenmitteltemperatur von etwa 20 °C ein Anstieg der Gesamtmortalität sichtbar; in der Hitzewelle Ende Juni lag der bundesweite Durchschnitt der Tages‑ und Nachttemperaturen binnen einer Kalenderwoche bei gut 26 °C.
„Anzunehmen sei, ‹dass auch in diesem Sommer auftretende Hitzeperioden wieder in gleicher Weise zu erhöhter Mortalität führen›“, heisst es im RKI‑Wochenbericht.
Das RKI betont zudem, dass Hitze nur in wenigen Fällen unmittelbar zum Tod führt, etwa durch Hitzeschlag. Meistens trete eine Kombination aus starker Hitze und bereits bestehenden Vorerkrankungen — vor allem Herz‑Kreislauf‑, Lungen‑ und Nierenerkrankungen — auf. Diese Vorerkrankungen werden dann oft als direkte Todesursache in den Totenscheinen genannt. Wie eine RKI‑Sprecherin erklärte: „Hitze steht in der Regel nicht als Todesursache auf dem Totenschein“. Deshalb seien Schätzungen und statistische Modelle notwendig, um das Ausmass hitzebedingter Sterbefälle zu erfassen.
Folgen für die Gesundheitsvorsorge
Die erhöhten Zahlen haben praktische Relevanz für das Gesundheitswesen und die kommunale Vorsorge. Staaten und Gemeinden beobachten in Hitzesommern, welche Bevölkerungsgruppen besonders betroffen sind, und passen Warnsysteme, Pflege‑ und Betreuungsangebote sowie hitzebezogene Schutzmassnahmen an. Dazu gehören unter anderem:
- Temperaturüberwachung und frühzeitige Warnsysteme
- Angebote für besonders gefährdete Gruppen wie ältere Menschen und chronisch Kranke
- Informationen zum Umgang mit Hitze in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern
Kurze Datenübersicht
| Jahr / Zeitraum | Schätzung Hitzetote (Thüringen / Deutschland) |
|---|---|
| Ende Juni 2026 (bis Ende Juni) | Thüringen: 120; Deutschland gesamt: 5'120 |
| 2025 (ganzes Jahr) | Thüringen: 40; Deutschland gesamt: 2'600 |
| 2016–heute (Thüringen, kumuliert) | 770 geschätzte Hitzetote |
| Einzeljahre (Thüringen) | 2018: 180; 2019: 140 |
Die Zahlen des RKI zeigen, dass Hitzewellen nicht nur kurzfristige Belastungen für das Gesundheitssystem darstellen, sondern auch messbare Auswirkungen auf die Sterblichkeit haben. Die statistische Erfassung macht sichtbar, wie stark das Klima‑ und Gesundheitsgeschehen miteinander verknüpft sind. Für die öffentliche Hand und die Gesundheitsdienste bedeutet dies, Warn‑ und Präventionsstrategien weiterzuentwickeln und vulnerable Gruppen besonders in den Blick zu nehmen.
Professionelle Beratung und konkrete Handlungsempfehlungen für Einzelpersonen gehören nicht zum Fokus dieses Berichts. Orientierung über präventive Massnahmen liefern Gesundheitsämter und medizinische Fachstellen vor Ort.