Solarstrom zwischen den Schienen: Resultate aus dem Kanton Neuenburg
In Buttes (Kanton Neuenburg) betreibt das Start-up Sun-Ways die weltweit erste solarbetriebene Eisenbahn. Auf einem Prüfabschnitt von 100 Metern wurden 48 Photovoltaikmodule installiert, die zusammen eine Leistung von 18 kWp liefern. Nach dem ersten Betriebsjahr hat die Anlage rund 16'000 kWh Strom erzeugt – entsprechend dem Jahresverbrauch eines typischen britischen Haushalts für Heizung, Warmwasser, Beleuchtung und Geräte.
Wie funktioniert das System und welche Kompromisse sind nötig?
Die Module sind bündig zwischen den beiden Schienen montiert. Diese Lage ist hinsichtlich Sonneneinstrahlung nicht optimal: Sun-Ways schätzt, dass die Anordnung gegenüber einer ideal geneigten Installation die Stromproduktion um etwa 10 % reduziert. Untersuchungen aus wärmeren Regionen (z. B. auf der Iberischen Halbinsel) zeigen, dass ein Neigungswinkel um 34 Grad sehr nahe an der maximalen Jahresleistung liegt; zwischen den Schienen installierte Paneele können davon aber aus Platz- und Sicherheitsgründen abweichen.
Skalierbarkeit: Was würde eine Ausweitung auf das Schweizer Netz bringen?
Auf das gesamte Schweizer Eisenbahnnetz von 5'317 km hochgerechnet, würde die dafür erforderliche Installationsfläche etwa 760 Fussballfeldern entsprechen. Sun-Ways rechnet, dass die Technologie bei landesweiter Ausdehnung rund 1 Terawattstunde (1 TWh) Strom pro Jahr erzeugen könnte. Das entspricht schätzungsweise 2 % des nationalen Strombedarfs.
- Testabschnitt: 100 m mit 48 Modulen, 18 kWp
- Erzeugung erstes Jahr: ca. 16'000 kWh
- Hochrechnung Schweiz: 5'317 km Netz → Fläche ~760 Fussballfelder → ~1 TWh/Jahr (≈ 2 % des Bedarfs)
Praktische Fragen und Folgen
Das Pilotprojekt zeigt Potenzial, wirft aber zugleich technische und betriebliche Fragen auf: Befestigung und Schutz der Module gegen Vibrationen, Wartungszugang, Reinigung, Einfluss auf Fahrbetrieb und Sicherheit sowie Kosten-Nutzen-Vergleiche gegenüber anderen Solarstandorten. Ausserdem sind klimatisch unterschiedliche Ertragsprofile zu beachten: Studien weisen darauf hin, dass der ideale Neigungswinkel regional variiert und den Ertrag beeinflusst.
| Parameter | Wert (Quelle) |
|---|---|
| Modulanzahl (Test) | 48 |
| Abschnittslänge | 100 m |
| Installierte Leistung | 18 kWp |
| Produktion erstes Jahr | 16'000 kWh |
| Gesamtnetz Schweiz | 5'317 km |
| Hochgerechnete Jahresproduktion | ~1 TWh |
Für Entscheide über eine flächendeckende Umsetzung sind neben technischen Tests vor allem belastbare Wirtschaftlichkeitsrechnungen, Sicherheitsprüfungen und Vorgaben zur Integration in den Bahnbetrieb nötig. Das Projekt in Buttes liefert eine erste Datenbasis — die nächste Phase besteht darin, die Resultate über längere Zeiträume und bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen zu validieren.
Falls die Technologie skaliert wird, könnte sie einen zusätzlichen, lokal erzeugten Beitrag zur Stromversorgung liefern und so zur Energiewende beitragen. Entscheidend bleibt, wie sich dieser Beitrag relativ zu Kosten, Flächenbedarf und betrieblichen Auflagen darstellt.