Der jüngste Weltozeanbericht der Vereinten Nationen, an dem rund 600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 86 Staaten mitgewirkt haben, zeichnet eine düstere Bestandsaufnahme: Die Meere sind zunehmend belastet durch Umweltverschmutzung, zunehmende Temperaturen und Übernutzung. Diese Veränderungen haben unmittelbare Folgen für Ökosysteme, Nahrungsmittelversorgung und das globale Klima.
Ozeane als Wärmespeicher und Kohlendioxid-Senke
Die Weltmeere erfüllen zentrale Klimafunktionen: Sie nehmen laut Bericht über 90 % der überschüssigen Wärme auf, die durch den menschengemachten Treibhauseffekt entsteht, und binden etwa 30 % der CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Diese Aufnahme dämpft zwar die Erwärmung an Land, führt jedoch zu einem Anstieg der Meerestemperaturen mit weitreichenden Folgen für marine Lebensgemeinschaften.
Beschleunigte Erwärmung, Rekordwerte und regionale Hotspots
Der Copernicus-Klimawandeldienst meldete für Juni 2026 globale Rekordwerte der Meeresoberflächentemperatur. Besonders starke Erwärmung wird derzeit im Atlantik, im südlichen Indischen Ozean und im Pazifik registriert. Meereswissenschaftler warnen, dass die derzeitige Erwärmungsrate «alarmierend» sei und das Risiko für Korallensterben, Artenverlagerungen und andere Störungen in marinen Ökosystemen erhöht.
Meeresspiegel und Plastik: messbare Trends
Der Meeresspiegelanstieg hat sich laut Bericht beschleunigt: Er stieg von unter 2 mm pro Jahr vor 2015 auf rund 4,3 mm pro Jahr im Jahr 2023. Parallel dazu hat Plastikmüll die Ozeane zu einer grossen Bedrohung entwickelt: Zwischen 2021 und 2025 wurden schätzungsweise jährlich etwa 52,1 Millionen Tonnen Plastikabfall ins Meer entsorgt, ein deutlicher Anstieg gegenüber früheren Zeiträumen.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Anteil Erdoberfläche, den Ozeane bedecken | >70 % |
| Aufnahme überschüssiger Wärme durch Ozeane | >90 % |
| Anteil CO2-Aufnahme durch Ozeane | ~30 % |
| Meeresspiegelanstieg (vor 2015 vs. 2023) | <2 mm/Jahr → 4,3 mm/Jahr |
| Jährliche Plastikmengen (2021–2025) | ~52,1 Mio. Tonnen |
Auswirkungen auf Gesundheit und Versorgung
Die Veränderungen der Meere haben auch direkte und indirekte Gesundheitsrelevanzen: Beeinträchtigte Fischbestände treffen die Ernährungssicherheit, verschobene Artenzusammensetzungen können Krankheiten oder Schadorganismen vermehrt verbreiten, und Plastikpartikel gelangen über Nahrungsketten in die menschliche Nahrung. Zudem erhöht die Erwärmung das Risiko für extreme Wetterereignisse entlang der Küsten und trägt zum beschleunigten Anstieg des Meeresspiegels bei, was Infrastruktur und Lebensgrundlagen gefährdet.
Der Bericht fordert multilaterale Zusammenarbeit und weitreichende Massnahmen, um die weitere Verschlechterung der Ozeanzustände zu bremsen. Für die Schweiz und andere Binnenstaaten bedeutet das: globale Emissionsreduktionen, internationale Abkommen zu Plastikreduktion und nachhaltiger Fischerei sowie die Unterstützung mariner Forschung bleiben zentrale Elemente einer vorausschauenden Gesundheits- und Umweltpolitik.
- Datenbasis: Dritter Weltozeanbericht, gemeinschaftliche Arbeit von rund 600 Expertinnen und Experten.
- Kernprobleme: Erwärmung, Plastikmüll und Überfischung.
- Dringlichkeit: Beschleunigte Trends beim Meeresspiegel und Rekord-Meeresoberflächentemperaturen.