Immobilienbarometer: Verweilbonus stützt Mieter, Eigenheime bleiben teuer
Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) kommt in ihrem Immobilienbarometer zum zweiten Quartal zum Schluss: Wohneigentum ist nicht mehr in jedem Fall günstiger als Mieten. Entscheidend sei der sogenannte Verweilbonus: Wer seit längerer Zeit dieselbe Mietwohnung bewohnt, zahlt oft deutlich tiefere Bestandsmieten als bei einem heutigen Neuabschluss für eine vergleichbare Wohnung verlangt würde.
Gegenüber diesem Vorteil stehen laut ZKB zwei Faktoren, welche die frühere Faustregel relativieren: die stark gestiegenen Preise für Eigenheime in den vergangenen Jahren und das veränderte Zinsumfeld. Im Kanton Zürich kosten Eigenheime heute rund zweieinhalbmal so viel wie vor 20 Jahren. Gleichzeitig mussten viele Mieter infolge der Senkung des Referenzzinssatzes mit tieferen Altbestandsmieten rechnen; diese sanken im zweiten Quartal im Kanton Zürich um 0,4 Prozent.
„Wohneigentum ist nicht mehr in jedem Fall günstiger als Mieten“, schreibt die ZKB im Immobilienbarometer.
Unterschiede nach Situation: Bleiben oder kaufen?
Die ZKB macht einen wichtigen Unterscheid: Muss ein Haushalt ohnehin umziehen, kann der Kauf vielerorts günstiger sein. Als Vergleichsgrösse gelten dann die deutlich höheren Angebotsmieten, die heute häufig über den laufenden Kosten eines Eigenheims liegen – vorausgesetzt, die Käufer verfügen über die nötigen Mittel.
- Verweilbonus: Langjährige Mieter profitieren von vergleichsweise tiefen Bestandsmieten.
- Angebotsmieten: Bei einem Wohnungswechsel sind die aktuellen Angebotsmieten oft hoch und können den Kauf relativ günstiger erscheinen lassen.
- Regionale Unterschiede: Besonders stark verteuerten sich Eigenheime in Gemeinden rund um den Zürichsee und in der Stadt Zürich.
Indexdaten im Überblick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| ZWEX (Zürcher Wohneigentumsindex) q/q | +0,4 % |
| ZWEX gegenüber Vorjahr | +2,2 % |
| Altbestandsmieten (Kanton Zürich) q/q | -0,4 % |
| Eigenheimpreisentwicklung (20 Jahre) | ≈ 2,5‑fach |
Die ZKB rechnet wegen des knappen Wohnungsangebots weiterhin mit steigenden Angebotsmieten und höheren Preisen für Wohneigentum, allerdings mit moderaterem Wachstum als in den zurückliegenden Jahren. Das bedeutet für Haushalte im Kanton Zürich: Die Entscheidungsfrage zwischen Mieten und Kaufen ist stärker individualisiert und hängt von der konkreten Wohnsituation, dem Zeitpunkt eines möglichen Umzugs und der finanziellen Befähigung zusammen.
Konkrete Auswirkungen für Bewohnerinnen und Bewohner
Für Mieterinnen und Mieter, die schon lange am selben Ort wohnen, hat die Entwicklung einen direkten Effekt: Ein Verbleib in der Wohnung kann finanziell attraktiver bleiben als ein Umzug in ein vergleichbares Objekt. Wer hingegen umziehen muss oder über Eigenmittel verfügt, sollte Kaufangebote prüfen — vor allem in Gemeinden ausserhalb der teuersten Lagen kann ein Erwerb trotz hoher Kaufpreise unter dem Strich günstiger sein.
Finanzplanung, Zinsentwicklung und Angebotssituation bleiben zentrale Entscheidungsfaktoren. Interessierte Haushalte sollten aktuelle Angebotspreise, erwartete Nebenkosten und individuelle Finanzierungsbedingungen vergleichen und bei Unsicherheiten Beratung durch Banken, Vermögensberater oder Fachstellen in Anspruch nehmen.